Wochenrückblick KW 15: Waffenstillstand im Iran beflügelt Schweizer Börse – SMI springt über 13'000
Die Einigung auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran löst eine Erholungsrally am Schweizer Aktienmarkt aus. Der SMI gewinnt rund 3 Prozent, doch die Erleichterung trügt möglicherweise.
Wochenrückblick KW 15: Waffenstillstand im Iran beflügelt Schweizer Börse
SMI springt zurück über 13’000 – doch die Erleichterung könnte trügerisch sein
Eine Nachricht hat die Schweizer Börse diese Woche regelrecht umgepolt: US-Präsident Donald Trump und der Iran einigten sich am Mittwoch auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand. Der SMI, der seit Wochen unter dem eskalierenden Nahostkonflikt gelitten hatte, schoss zum Handelsstart um bis zu 3,9 Prozent in die Höhe und schloss die Woche bei rund 13’183 Punkten – ein Plus von gut 3 Prozent gegenüber dem Vorwochenfreitag.
Die Woche im Überblick
Zu Wochenbeginn hing die Stimmung noch tief. Der SMI hatte seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs im Februar über 7 Prozent eingebüsst, der Ölpreis war auf über 108 Dollar pro Barrel (Brent) in die Höhe geschossen, und die Strasse von Hormus – die wichtigste Energieader der Welt – war faktisch blockiert.
Am Mittwochmorgen dann die Wende: Trump kündigte zwei Stunden vor Ablauf seines eigenen Ultimatums eine Feuerpause an. Teil der Übereinkunft: Iran soll die Blockade der Strasse von Hormus aufheben. Der Ölpreis stürzte schlagartig um rund 12 Prozent auf unter 100 Dollar pro Barrel ab – der stärkste Tagesrückgang seit der Pandemie. An den Börsen in Asien, Europa und den USA ging es steil nach oben. In Japan kletterte der Nikkei um über 5 Prozent, in Südkorea schoss der Kospi gar um 7 Prozent nach oben, bevor der Handel ausgesetzt werden musste.
Auch am Donnerstag und Freitag blieb der SMI auf Erholungskurs – wenngleich die Kursgewinne im Tagesverlauf etwas abebbten. Der Index notiert immer noch rund 6,5 Prozent unter seinem Allzeithoch von 14’104 Punkten (Februar 2026).
Top-Mover der Woche
Die Erholung war alles andere als gleich verteilt. Zykliksensierte Werte – besonders aus Industrie und Rohstoffen – profitierten am stärksten von der Entspannung:
Gewinner im SMI (am 8. April):
- Richemont +8,7 Prozent – Der Luxuskonzern profitierte doppelt: von der allgemeinen Risiko-Euphorie und von der Entspannung im Nahen Osten, der seine Absatzmärkte bedrohte.
- ABB +8,0 Prozent – Die Zykliker-Aktie reagierte am stärksten. ABB gilt als Gradmesser für das globale Wirtschaftsklima.
- Holcim +7,4 Prozent – Der Baustoffkonzern zählte zu den Hauptprofiteuren der Wende.
- Sika +6,3 Prozent – Die Spezialchemie profitierte von der Rückkehr zyklischer Investitionen.
- UBS +5,8 Prozent – Die Grossbank zog mit dem verbesserten Risikosentiment deutlich an.
Verlierer / Schlusslichter:
- Swisscom −0,2 Prozent – Der defensive Telekommunikationswert fand wenig Zulauf, als die Anleger in zyklische Werte umschichteten.
- Nestlé +0,3 Prozent – Der Nahrungsmittelriese blieb nahezu unbeeindruckt. Defensive Schwergewichte hatten zuvor besser geglitten und holten nun weniger auf.
Wichtigste News der Woche
Iran-Waffenstillstand – Hoffnung, aber auf tönernen Füssen
Die dominierende Geschichte der Woche ist ohne Frage der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran. Doch die Märkte preisen bereits Realitäten ein, die noch nicht eingetreten sind: Die Strasse von Hormus ist zwar formell nicht mehr blockiert, doch der Schiffsverkehr kommt nur schleppend in Gang. Wie Al Jazeera am Donnerstag berichtete, läuft der Seehandel durch die Meerenge «immer noch spärlich». Der Ölpreis begann am Donnerstag bereits wieder leicht zu steigen.
Schweizer Konjunktur: Unterdurchschnittliches Wachstum erwartet
Im Hintergrund zeichnet sich ab, dass die Schweizer Wirtschaft 2026 lediglich um 1,0 Prozent wachsen dürfte – eine leichte Abwärtsrevision gegenüber der Dezemberprognose (1,1 Prozent). Die Expertengruppe des Bundesrates rechnet mit einer Jahresinflation von lediglich 0,5 Prozent. Die SNB-Prognose liegt bei nur 0,3 Prozent. Negativzinsen gelten als unwahrscheinlich. Die Trump-Zölle – ein Zusatzzoll von 10 Prozent gilt seit dem 24. Februar für 150 Tage – belasten die exportorientierte Schweizer Wirtschaft zusätzlich.
Goldpreis verliert Glanz
Interessant am Rande: Der Goldpreis, der nach Kriegsausbruch auf über 5’400 Dollar pro Unze geschnellt war, hat die Kriegsgewinne komplett abgegeben und fiel diese Woche zeitweise um 9 Prozent auf rund 4’250 Dollar. Gold als sicherer Hafen – dieser These hat der jüngste Verlauf eine Absage erteilt.
Ausblick: Was nächste Woche wichtig wird
Die kommende Woche bringt eine Fülle von Terminen, die die Märkte bewegen dürften:
Dienstag, 14. April: Der Schweizer Duft- und Geschmackskonzern Givaudan veröffentlicht seine Q1-Umsatzzahlen – ein erster Stimmungsindikator für die Schweizer Industrie. Am selben Tag legen US-Banken wie JP Morgan, Wells Fargo und Citigroup ihre Quartalsergebnisse vor. Zudem veröffentlicht der IWF den Weltwirtschaftsausblick – mit Spannung erwartet, angesichts der geopolitischen Turbulenzen.
Mittwoch, 15. April: Die EU-Industrieproduktion für Februar gibt Aufschluss über die konjunkturelle Dynamik in Europa. In den USA erscheinen der Empire State Manufacturing Index und die Fed veröffentlicht ihr Beige Book.
Donnerstag, 16. April: Das grosse Datum der Woche: Chinas BIP für das erste Quartal wird veröffentlicht – ein Schlüsselindikator für die globale Nachfrage. Zudem: EU-Verbraucherpreise (März), US-Erstanträge Arbeitslosenhilfe, der Philadelphia-Fed-Index und Quartalszahlen von TSMC und Netflix. Die EZB veröffentlicht das Protokoll ihrer März-Sitzung.
Freitag, 17. April: Schweizer Export- und Importpreise März – wichtig für die Inflationseinschätzung.
Die Erholungsrally ist real – aber ihre Grundlage ist brüchig. Ein zweiwöchiger Waffenstillstand ist kein Friedensvertrag. Anleger sollten die kommenden Tage nutzen, um ihre Portfolios auf Robustheit zu prüfen, statt auf weitere Kursgewinne zu spekulieren. Die Konjunkturdaten der kommenden Woche dürften zeigen, ob die fundamentale Erholung trägt – oder ob die Börse einmal mehr Wunschdenken mit Realität verwechselt.