Wochenrückblick KW 16: Zölle, Sika-Rally und die Last der Defensive
SMI verliert trotz starkem Sika-Kursrally. Pharma-Deals sichern Schweizer Pharma gegen US-Zölle ab, während der Luxussektor unter enttäuschenden Quartalszahlen aus Paris leidet.
Die Schweizer Börse musste in der KW 16 (13.–16. April) leichte Rückschläge hinnehmen — trotz eines beeindruckenden Sika-Kursfeuerwerks und einer breiten Marktbasis, die eigentlich einen besseren Verlauf verdient hätte. Der SPI legte seit Wochenbeginn rund 2.2 Prozent zu und schloss am Donnerstag bei rund 18’530 Zählern, doch der Leitindex SMI litt unter der Last seiner defensiven Schwergewichte.
Woche im Überblick
Der SMI startete die Woche am Montag auf dem Rückzug und schloss mit Verlusten. Der Dienstag brachte dann den stärksten Tag: Mit einem Plus von 0.94 Prozent kletterte der Leitindex auf 13’269.77 Punkte — getragen von Sika, das nach starken Quartalsergebnissen fast acht Prozent zulegte, und Givaudan, das nach Zahlen 2.7 Prozent gewann. Am Mittwoch drehte der Wind wieder: Nestlé (−1.2%), Novartis (−1.6%) und Roche (−0.4%) drückten den Index um 0.3 Prozent in den Minus. Am Donnerstag folgte ein weiterer schwacher Tag mit minus 0.27 Prozent auf 13’183.86 Zähler.
Der breitere SPI präsentiert sich dagegen deutlich robuster: Seit Wochenbeginn legte der Index rund 2.2 Prozent zu — ein Hinweis darauf, dass ausserhalb der grossen Drei durchaus Kaufstimmung herrscht. Der Volatilitätsindex VSMI fiel auf das Niveau von vor dem Ausbruch des Iran-Konflikts — ein beruhigendes Signal für die Märkte.
Top-Mover der Woche
Gewinner im SPI: Gurit (+11.4%), Bossard (+7.5%), PolyPeptide (+7.3%) und ams-OSRAM (+5.2%) zählten zu den stärksten Titeln der Woche. Am Dienstag setzte zudem Sika mit knapp acht Prozent Plus den grössten Einzelimpuls im SMI, nachdem die Erstquartalszahlen die Erwartungen übertroffen hatten.
Verlierer im SPI: Addex Therapeutics (−9.7%), GAM (−9.0%), Swatch Group (−3.9%) und Zurich Insurance (−4.7%) mussten die grössten Verluste hinnehmen. Im SMI lasteten vor allem die defensiven Schwergewichte: Novartis (−1.6%), Nestlé (−1.2%) und Swiss Re (−3.0%) verhinderten eine nachhaltige Erholung.
Am Donnerstag kamen noch Schlagzeilen um Barry Callebaut hinzu: Die Aktie brach ein, nachdem der Schokoladenhersteller vor einer Gewinnbelastung warnte, die aus der Wachstumsstrategie des neuen Vorstandschefs resultiert.
Die wichtigsten Themen der Woche
1. Trumps Pharma-Zölle: Schweizer Pharmariesen atmen auf
Die Androhung von Zöllen bis zu 100 Prozent auf Medikamente durch US-Präsident Trump schüchterte die Branche zunächst ein. Doch Novartis und Roche (via Tochter Genentech) haben sich durch separate Deals für drei Jahre von Zöllen befreit. Sandoz dürfte als Generikahersteller ebenfalls glimpflich davonkommen, ebenso Basilea, das US-Fördergelder erhält. Für die restlichen Schweizer Pharmafirmen ohne Abkommen gilt der EU-Satz von 15 Prozent — unangenehm, aber beherrschbar. Die Schweiz strebt laut Bloomberg bis Ende Juli ein vollständiges Handelsabkommen mit den USA an.
2. Luxuskrise aus Paris — Schweiz bleibt stabil
Enttäuschende Umsatzzahlen von Hermès (−8%) und Kering (−10%) nach bereits schwachen LVMH-Zahlen zu Wochenbeginn belasteten den europäischen Luxussektor massiv. Die Schweizer Börse blieb dank besser diversifizierter Branchenstruktur weitgehend verschont. Richemont (−1.9%) und Swatch (−3.9%) zeigten aber auch lokale Verwundbarkeit.
3. Iran-Konflikt: Hoffnung auf Entspannung
Gesprächssignale zwischen den USA und Iran drückten die Ölpreise und entlasteten die Märkte. Der VSMI sank auf Vorkrisen-Niveau — ein Zeichen, dass Anleger den Konflikt als weniger bedrohlich einschätzen als noch vor Wochen.
Ausblick: KW 17
Nächste Woche stehen mehrere Treiber im Fokus: Erstens die weiteren Quartalszahlen der Schweizer Blue Chips — insbesondere UBS und Zurich Insurance berichten. Zweitens die Entwicklungen im Handelsstreit: Konkrete Fortschritte in den Schweiz-USA-Verhandlungen könnten dem Markt Auftrieb geben. Drittens bleibt die geopolitische Lage im Nahen Osten ein Unsicherheitsfaktor, auch wenn die aktuelle Gesprächsdynamik hoffnungsvoll stimmt.
Charttechnisch ist laut BNP Paribas wichtig, dass der SMI sein März-Hoch bei 13’199 Punkten hält — aktuell notiert er knapp darunter. Ein Bruch könnte technische Verkäufe auslösen, während ein nachhaltiges Halten den Weg für eine Fortsetzung der Erholung ebnen würde.
Der SPI notierte am Donnerstag bei rund 18’530 Punkten. Der SMI schloss bei 13’183.86 Zählern.