Wochenrückblick KW 16: Hormus-Entspannung beflügelt die Märkte, Ölpreis stürzt um 10 Dollar
Iran öffnet Strasse von Hormus – die Börsen atmen auf. Der SMI schloss die Woche leicht im Plus, während der Ölpreis massiv nachgab. Barry Callebaut und Sandoz strauchelten, Logitech und DocMorris glänzten.
Die Schweizer Börse schloss die Handelswoche 16 mit einer leichten Erholung ab – ausgelöst durch eine Nachricht, auf die die Märkte gewartet hatten: Iran öffnet die Strasse von Hormus wieder für die Schifffahrt. Der SMI kletterte daraufhin am Freitag um knapp ein Prozent und beendete die Woche bei rund 13’245 Punkten.
Die Woche im Überblick
Der SMI startete die Woche am Montag bei 13’225 Punkten und verlor in den ersten Handelstagen kontinuierlich an Boden. Am Donnerstag stand der Leitindex mit 13’173 Punkten sogar 0,35 Prozent im Minus, belastet durch die defensiven Schwergewichte. Donnerstagabend dann die Trendwende: Die iranische Regierung verkündete die vollständige Öffnung der strategisch wichtigen Seestrasse nach dem zweiwöchigen Waffenstillstand mit den USA. Freitagnachmittag bestätigte US-Präsident Trump die Meldung – und die Märkte reagierten prompt.
Der breite SPI legte ähnlich zu und notierte bei rund 18’580 Zähler. Für die Woche ergibt sich damit ein leichtes Plus von rund 0,15 Prozent – ein erstaunlich ruhiges Ergebnis angesichts der geopolitischen Turbulenzen.
Ölpreis: Vom Höhenflug zum Absturz
Das dominante Thema der Woche war zweifellos der Ölpreis. Anfang der Woche hatte Brent noch über 100 Dollar pro Barrel gekostet – die US-Drohung einer Blockade der Strasse von Hormus trieb die Preise in die Höhe. Rund 20 Prozent der weltweiten Energieversorgung fliessen durch diese Meerenge.
Dann der Dreh: Die Freigabe der Passage liess den Brent-Preis innerhalb einer Stunde um über 7 Prozent auf knapp 88 Dollar einbrechen. Gegenüber dem Höchststand des Iran-Krieges von über 120 Dollar bedeutet das einen Rückgang von mehr als einem Viertel. An Schweizer Tankstellen dürften die Preise in den kommenden Wochen spürbar nachgeben.
Top-Mover der Woche
Die Gewinnerseite präsentierte sich breit aufgestellt. Logitech zählte mit über 2,5 Prozent Zuwachs zu den Top-Performern im SMI, gestützt durch starke Tech-Vorgaben aus den USA und die überzeugenden Zahlen von Branchengrösse TSMC. Partners Group legte rund 1,1 Prozent zu, Sika und Richemont gewannen bis zu 1 Prozent.
Besonders ins Auge stach DocMorris: Die Online-Apotheke kletterte nach Veröffentlichung der Quartalszahlen um satte 7,8 Prozent. Das Unternehmen meldete mehr Umsatz im ersten Quartal 2026 und bestätigte seine bisherigen Ziele – ein klares Signal, dass die Digitalisierung im Pharmahandel Fahrt aufnimmt.
Auf der Verliererseite dominierten die defensiven Schwergewichte den SMI: Nestlé verlor 1,2, Novartis 1,6 und Roche 0,4 Prozent. Swisscom büsste 1,2 Prozent ein. Amrize rutschte um über 1 Prozent ab. Am härtesten traf es jedoch Barry Callebaut: Die Aktie des Schokoladenherstellers stürzte um 16,7 Prozent ab, nachdem das Unternehmen weniger Schokolade verkaufte und einen EBIT-Rückgang in Aussicht stellte. Auch Bystronic wurde nach enttäuschenden Zahlen um 8,3 Prozent abgestraft.
Geopolitik als treibende Kraft
Die gesamte Woche stand im Zeichen des Iran-Konflikts. Am Montag noch drohte eine Eskalation – Trump kündigte die Blockade der Strasse von Hormus an. Am Freitag dann die Entspannung. Zwischendurch sorgte auch das Scheitern von Friedensgesprächen am Mittwoch für Unsicherheit. Der Volatilitätsindex VSMI fiel trotzdem auf ein Niveau wie vor Kriegsausbruch – ein Zeichen, dass die Märkte die geopolitischen Risiken herunterrechnen.
Positiv überraschten die chinesischen Konjunkturdaten: Das BIP wuchs im ersten Quartal um 5 Prozent, die Industrieproduktion übertraf die Erwartungen. Dies dämpfte die Sorgen vor konjunkturellen Bremsspuren durch den Iran-Krieg.
Ausblick: Was nächste Woche wichtig wird
Die kommende Woche bringt wichtige Konjunkturdaten aus der Eurozone. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das Verarbeitende Gewerbe und die Dienstleistungen steht auf dem Programm – ein Schlüsselindikator für die europäische Wirtschaftsentwicklung. Zudem veröffentlicht die EZB am Donnerstag ihre geldpolitischen Entscheide. Die Märkte erwarten eine Zinssenkung um 25 Basispunkten, was den Schweizer Franken zusätzlich unter Druck bringen könnte.
Für die Schweizer Börse bleibt zudem das Nestlé-Quartalsergebnis im Blick – der Nahrungsmittelriese legt am Dienstag seine Zahlen vor. Die Wall Street präsentiert ebenfalls wichtige Quartalsberichte, darunter Tesla und Alphabet. Und natürlich bleibt die Frage: Hält der Waffenstillstand mit dem Iran? Die Märkte haben in der vergangenen Woche gezeigt, wie empfindlich sie auf geopolitische Signale reagieren.
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