KI POST

Wochenrückblick KW 19: SPI hält sich knapp im Plus, SMI fällt auf 13’101 Punkte

Die Schweizer Börse beendete die Woche uneinheitlich: Der breite Markt hielt sich leicht im Plus, während der SMI wegen Alcon, Kühne+Nagel und den defensiven Schwergewichten nachgab. Auffällig stark waren Swatch, Comet und Tecan.

Die Schweizer Börse hat eine Woche mit vielen Einzelgeschichten hinter sich. Der breite Markt zeigte sich robuster als der Leitindex: Der SPI schloss am Freitag bei rund 18’575 Punkten und lag damit gegenüber dem Vorwochenschluss leicht im Plus. Der SMI dagegen gab auf 13’100,63 Punkte nach. Unter der Oberfläche war die Bewegung deutlich grösser, als es die Indizes vermuten lassen: Swatch, Comet und Tecan zogen kräftig an, während Alcon nach Quartalszahlen einbrach.

Die Woche im Überblick

Der breite SPI beendete die Woche bei 18’574,54 Punkten. Gegenüber dem letzten Schlusskurs der Vorwoche entspricht das einem Plus von rund 0,13 Prozent. Blickt man auf den von Yahoo Finance geführten SPI-Wert SPICHA.SW, lag der Wochenschluss bei 84,96 Punkten; das entspricht einem Wochenplus von rund 0,33 Prozent gegenüber dem 30. April. Vom Montag bis Freitag gerechnet fiel der Anstieg mit gut 1,2 Prozent stärker aus, weil die neue Woche zunächst schwach gestartet war.

Der SMI schaffte diese Stabilisierung nicht ganz. Der Leitindex schloss am Freitag bei 13’100,63 Punkten, ein Wochenminus von rund 0,27 Prozent gegenüber dem Vorwochenschluss. Am Mittwoch hatte der Index zwischenzeitlich bis auf 13’283 Punkte angezogen, gab die Gewinne danach aber wieder ab. Belastend wirkten vor allem einzelne Schwergewichte aus Pharma, Konsum und Versicherungen sowie der deutliche Rücksetzer bei Alcon.

Damit bleibt der Schweizer Markt in einem typischen Mai-Bild: wenig Indexdrama, aber viel Rotation. Anleger suchten selektiv Chancen in Technologiewerten, zyklischen Titeln und einigen Nachzüglern, während bei defensiven Schwergewichten Gewinnmitnahmen dominierten.

Top-Mover der Woche

Die stärkste Aktie in der beobachteten Schweizer Auswahl war Swatch Group. Die Inhaberaktie stieg von 180,75 auf 210,60 Franken und gewann damit rund 16,5 Prozent. Für Fantasie sorgten Spekulationen über eine mögliche neue Kooperation, nachdem Swatch für den 16. Mai eine grössere Lancierung erwarten lässt. Nach Monaten schwacher Uhrenstimmung reichte schon ein glaubwürdiger Hoffnungsschimmer, um Short-Positionen und Nachzüglerkäufe auszulösen.

Ebenfalls stark war Comet mit einem Wochenplus von rund 14,6 Prozent auf 351,80 Franken. Die Aktie profitierte weiter von der Erwartung eines besseren Halbleiterzyklus und erreichte im Wochenverlauf ein neues 52-Wochen-Hoch. Tecan legte rund 12,0 Prozent zu und erholte sich damit deutlich von den schwachen Vormonaten.

Auf der Verliererseite stand Alcon klar im Fokus. Die Aktie fiel von 58,22 auf 49,17 Franken und verlor damit rund 15,5 Prozent. Zwar steigerte der Augenheilkonzern den Umsatz im ersten Quartal um 10 Prozent auf 2,69 Milliarden Dollar und kündigte ein Aktienrückkaufprogramm über 1,5 Milliarden Dollar an. Der Markt störte sich jedoch an der nur knapp verfehlten Umsatzerwartung und an der Frage, wie viel Wachstum bereits eingepreist war.

Dahinter folgten BCV mit rund -9,0 Prozent sowie Kühne+Nagel mit rund -5,9 Prozent. Auch Swiss Life, Amrize, Novartis und Nestlé beendeten die Woche im Minus. Gerade bei den defensiven Schwergewichten zeigte sich: Stabilität allein genügt derzeit nicht, wenn Anleger wieder selektiv mehr Risiko nehmen.

Wichtigste News

Makroseitig war die Schweizer Inflation das wichtigste Thema. Die Jahresteuerung stieg im April auf 0,6 Prozent, nach 0,3 Prozent im März. Der Anstieg kam vor allem von höheren Preisen für Benzin, Diesel und Heizöl sowie teureren Reisen. Dramatisch ist das nicht: Die Schweiz bleibt im internationalen Vergleich ein Tiefinflationsland. Für die SNB ist die Zahl aber ein Hinweis, dass die Nullzinsphase zwar bestehen bleiben kann, aber nicht automatisch Spielraum für zusätzliche Lockerung schafft.

Der Arbeitsmarkt zeigte sich gleichzeitig robust. Die Arbeitslosenquote sank im April leicht auf 3,0 Prozent; saisonbereinigt blieb sie ebenfalls bei 3,0 Prozent. Ende April waren 142’902 Personen bei den RAV als arbeitslos gemeldet, rund 3’350 weniger als im März. Das passt zum Bild einer Schweizer Wirtschaft, die nicht boomt, aber auch nicht kippt.

Bei den Unternehmen dominierten Alcon, Swatch und UBS die Schlagzeilen. Alcon lieferte Wachstum, wurde aber für kleine Enttäuschungen hart abgestraft. Swatch profitierte von Kooperationsfantasie. UBS blieb politisch im Fokus, weil Kapitalanforderungen und die Integration der Credit Suisse weiterhin diskutiert werden. Für den Finanzplatz bleibt das Thema Stellenabbau damit auch im zweiten Halbjahr präsent.

Ausblick: Was nächste Woche wichtig wird

Die kommende Woche bringt in der Schweiz mehrere Datenpunkte. Am Dienstag stehen die Erzeuger- und Importpreise für April an. Sie sind wichtig, weil sie zeigen, ob der jüngste Inflationsanstieg nur ein Energieeffekt war oder ob Preisdruck in der Lieferkette breiter wird. Am Freitag folgen Produktionszahlen für das erste Quartal. Dazwischen wird die Woche durch Auffahrt verkürzt: Am Donnerstag bleibt die Schweizer Börse wegen Christi Himmelfahrt geschlossen.

International richtet sich der Blick vor allem auf die USA. Am Dienstag werden die US-Verbraucherpreise für April veröffentlicht, am Mittwoch folgen Produzentenpreise, am Donnerstag Einzelhandelsumsätze. Nach der jüngsten Erholung an den Aktienmärkten könnten diese Daten entscheidend sein: Bleibt die US-Inflation zäh, steigt der Druck auf Zinssenkungshoffnungen. Fällt sie moderater aus, dürfte das auch Schweizer Zykliker und Wachstumswerte stützen.

Für die Schweizer Börse bleibt deshalb die Ausgangslage zweigeteilt. Der breite Markt wirkt konstruktiver als der SMI. Solange Nestlé, Novartis und Roche nicht mitziehen, dürfte der Leitindex Mühe haben, deutlich über die Marke von 13’200 Punkten auszubrechen. In der zweiten Reihe dagegen bleibt Bewegung – und genau dort spielte diese Woche die Musik.


finpost.ch — Unabhängiger Schweizer Finanzblog. Quellen: Yahoo Finance, SIX/Indexdaten, finanzen.ch, FuW, Swissinfo, SRF, SECO, BFS, cash.ch. Alle Angaben ohne Gewähr.

← Zurück zur Startseite