Wochenrückblick KW 20: SMI steigt auf 13’220 Punkte, Adecco bricht ein
Die Schweizer Börse schloss die verkürzte Woche freundlich ab: Der SMI gewann rund 0,9 Prozent, der breite SPI legte moderat zu. Unter der Oberfläche dominierten starke Versicherer, Technologiewerte und ein harter Rückschlag bei Adecco.
Die Schweizer Börse hat eine verkürzte, aber keineswegs langweilige Woche hinter sich. Wegen Auffahrt fehlte am Donnerstag ein Handelstag, trotzdem reichte es beim SMI für einen klar positiven Wochenschluss. Der Leitindex beendete den Freitag bei 13’220,17 Punkten und gewann gegenüber dem Vorwochenschluss rund 0,91 Prozent. Der breite Markt zog weniger stark mit: Der als SPI-Näherung beobachtete ETF SPICHA.SW schloss bei 85,30 Franken, ein Wochenplus von rund 0,40 Prozent. Der SPI-Total-Return-Index von Yahoo Finance lag am Freitag bei 18’681,02 Punkten.
Die Woche im Überblick
Das Bild war typisch für einen Markt, der nicht von breiter Euphorie, sondern von Rotation lebt. Defensive Schwergewichte wie Novartis stabilisierten den Index, Zurich lieferte mit starken Quartalszahlen zusätzlichen Rückenwind, und einzelne Technologie- und Industriewerte setzten ihre Erholung fort. Gleichzeitig wurden enttäuschende Aussagen rigoros abgestraft. Adecco verlor fast ein Fünftel an Börsenwert, obwohl die Erstquartalszahlen auf den ersten Blick nicht schwach wirkten.
Beim SMI war die Marke von 13’200 Punkten wieder erreichbar. Nach dem Schlusskurs von 13’100,63 Punkten in der Vorwoche bedeutete der Freitagsschluss bei 13’220,17 Punkten ein Plus von rund 119 Punkten. Damit bleibt der Leitindex in Schlagdistanz zu den jüngsten Hochs. Dass der breite Markt nur moderat zulegte, zeigt aber: Die Schweizer Börse wurde diese Woche eher von ausgewählten Gross- und Qualitätswerten getragen als von einem allgemeinen Risikoappetit.
Top-Mover der Woche
Zu den stärksten Schweizer Aktien in der beobachteten Auswahl gehörte Sensirion. Die Aktie stieg von 73,50 auf 79,00 Franken und gewann rund 7,5 Prozent. Der Sensorhersteller profitierte von technischer Stärke und anhaltender Fantasie rund um Industrie-, Auto- und Gesundheitsanwendungen. Nach der langen Durststrecke vieler Wachstumswerte reicht derzeit schon ein verbessertes Momentum, um Anschlusskäufe auszulösen.
Ebenfalls stark war Huber+Suhner mit einem Wochenplus von rund 7,0 Prozent auf 283,50 Franken. Der Titel bleibt ein Gewinner der Nachfrage nach Konnektivität, Infrastruktur und Datentechnik. Landis+Gyr legte rund 6,9 Prozent zu und setzte damit die Erholung im Bereich Energie- und Messinfrastruktur fort.
Auf der Verliererseite stand Adecco klar im Zentrum. Die Aktie fiel von 18,40 auf 14,93 Franken und verlor damit rund 18,9 Prozent. Das Unternehmen meldete zwar weiteres Wachstum und Marktanteilsgewinne, doch die Börse konzentrierte sich auf Margendruck und vorsichtige Signale für die weitere Entwicklung. Bei einem zyklischen Personaldienstleister ist das ein heikler Mix: Wachstum ohne klare Margenfantasie überzeugt Anleger derzeit kaum.
Deutlich schwach waren auch SIG Group mit rund -9,0 Prozent und dormakaba mit rund -6,6 Prozent. Bei SIG bleibt der Markt skeptisch, ob der Verpackungskonzern nach dem schwierigen Vorjahr rasch genug wieder zu überzeugendem Wachstum findet. Bei dormakaba wirkten Gewinnmitnahmen nach der vorangegangenen Erholung.
Wichtigste News
Die wichtigste Unternehmensmeldung kam von Zurich Insurance. Der Versicherer startete stark ins Jahr: In der Schaden- und Unfallversicherung stiegen die Bruttoprämien im ersten Quartal auf vergleichbarer Basis um 8 Prozent auf 15,6 Milliarden Dollar. Besonders das Geschäft mit Unternehmenskunden und Spezialrisiken lief robust. Die Aktie reagierte entsprechend stark und half dem SMI über die Woche.
Das Gegenstück lieferte Adecco. Die Q1-Zahlen zeigten zwar organisches Wachstum, doch der Markt störte sich an den Aussagen zur Profitabilität. Gerade weil die Aktie in den vergangenen Monaten bereits Erholungshoffnung eingepreist hatte, fiel die Reaktion scharf aus. Für Schweizer Anleger war Adecco damit das sichtbarste Beispiel dafür, wie wenig Toleranz der Markt aktuell für unsaubere Ausblicke hat.
Makroseitig rückten die Schweizer Produzenten- und Importpreise in den Fokus. Der Index stieg im April gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent auf 100,5 Punkte. Haupttreiber waren Erdölprodukte sowie Erdöl und Erdgas. Auf Jahressicht bleibt der Preisdruck zwar gedämpft, aber die Zahl passt zum Bild, dass Energiepreise kurzfristig wieder stärker auf die Inflationswahrnehmung wirken können. Für die SNB ändert das noch nicht die Juni-Ausgangslage, es nimmt zusätzlichen Lockerungsschritten aber etwas Selbstverständlichkeit.
Ausblick: Was nächste Woche wichtig wird
In der Schweiz ist die kommende Woche konjunkturseitig eher dünn. Der nächste grosse SNB-Zinsentscheid steht erst im Juni an. Wichtig bleibt deshalb vor allem, ob die jüngsten Preisimpulse bei Energie und Importen in weiteren Daten bestätigt werden oder wieder abflachen. Für den Aktienmarkt dürften Unternehmensnachrichten und Analystenkommentare kurzfristig mehr Gewicht haben als Schweizer Makrodaten.
International wird die Woche dichter. Am Mittwoch stehen die Protokolle der letzten US-Notenbanksitzung im Fokus, dazu kommen britische Inflationsdaten und die Sitzung der chinesischen Notenbank PBOC. Am Donnerstag folgen Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland, der Eurozone, Grossbritannien und den USA. Diese Daten sind für Schweizer Zykliker relevant, weil sie zeigen, ob die globale Industrieerholung trägt oder ob die jüngste Aktienmarkterholung zu viel Optimismus vorweggenommen hat.
Für den Schweizer Markt bleibt die Ausgangslage konstruktiv, aber selektiv. Der SMI hat sich oberhalb von 13’200 Punkten zurückgemeldet, doch der breite Markt läuft weniger dynamisch. Solange einzelne Schwergewichte stützen und Zurich, UBS oder Novartis gefragt bleiben, kann der Leitindex weiter freundlich tendieren. Die Woche hat aber auch gezeigt: Wer bei Margen, Ausblick oder Wachstum enttäuscht, wird schnell und hart abgestraft.
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