Wochenrückblick KW 21: SMI gewinnt 2,1 Prozent und schliesst bei 13’503 Punkten
Die Schweizer Börse beendete die Woche klar freundlich. Der SMI legte 2,1 Prozent zu, der breite SPI-Näherungswert SPICHA.SW stieg knapp 2,0 Prozent; Sonova, Ypsomed und Tecan führten die Gewinnerliste an.
Die Schweizer Börse hat die Woche mit Rückenwind beendet. Der Leitindex SMI schloss am Freitag bei 13’503,21 Punkten und rückte im Wochenvergleich um rund 2,1 Prozent vor. Der breite Markt zog ebenfalls mit: Der als SPI-Näherung beobachtete SPICHA.SW stieg von 85,30 auf 87,00 Franken, ein Plus von rund 2,0 Prozent. Nach der unsicheren Phase im April ist das ein respektabler Wochengewinn, zumal der Markt nicht nur von einem einzelnen Schwergewicht getragen wurde.
Woche im Überblick
Der Wochenverlauf war freundlicher, als es die Nachrichtenlage zu Beginn vermuten liess. Ölpreis, Nahost-Risiken und Konjunktursorgen blieben zwar Thema, doch die Anleger schauten stärker auf robuste Schweizer Daten, bessere Vorgaben aus Übersee und selektive Unternehmensnachrichten. Am Freitag halfen zusätzlich Hoffnungen auf Fortschritte in den Gesprächen rund um den Iran-Konflikt. Das drückte etwas Risiko aus dem Ölmarkt und stützte zyklische Werte.
Beim SMI war die Bewegung klar: von 13’220,17 Punkten am Vorwochenschluss auf 13’503,21 Punkte am Freitag. Das entspricht einem Wochenplus von 2,14 Prozent. Damit rückte der Leitindex wieder deutlich über die Marke von 13’500 Punkten. Der breite Markt blieb leicht dahinter, zeigte aber ebenfalls Stärke. SPICHA.SW, die hier als gut handelbare Näherung für die SPI-Entwicklung dient, gewann 1,99 Prozent. Die Schlussfolgerung ist simpel: Der Schweizer Markt hatte diese Woche nicht nur defensive Qualität, sondern auch wieder etwas Risikoappetit.
Top-Mover der Woche
An der Spitze der beobachteten Schweizer Titel stand Sonova. Die Aktie sprang von 179,10 auf 209,20 Franken und gewann 16,8 Prozent. Nach längerer Zurückhaltung bei Medtech- und Gesundheitswerten war das ein kräftiges Signal. Der Markt honorierte vor allem die Aussicht, dass sich Wachstum und Margen wieder glaubwürdiger darstellen lassen.
Ebenfalls stark war Ypsomed mit einem Plus von 14,6 Prozent auf 340,00 Franken. Der Titel bleibt einer der auffälligsten Schweizer Gesundheitswerte, getragen von struktureller Nachfrage rund um Injektionssysteme und Diabetes-/Adipositas-Anwendungen. Tecan komplettierte die Top drei mit einem Wochengewinn von 10,9 Prozent auf 149,40 Franken. Damit war die Gewinnerseite klar von Gesundheits- und Labortechnik geprägt.
Auf der Verliererseite fiel Idorsia am stärksten zurück. Die Aktie sank von 4,45 auf 4,13 Franken und verlor 7,1 Prozent. Bei Biotech-Werten bleibt die Risikoprämie hoch; kleine negative Impulse reichen für spürbare Kursbewegungen. Stadler Rail gab 6,7 Prozent auf 21,30 Franken nach. Der Markt bleibt bei Industriewerten selektiv und reagiert empfindlich auf Margen- und Auftragsrisiken. Temenos verlor 6,5 Prozent auf 66,80 Franken und lag damit ebenfalls deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurück.
Wichtigste News
Die wichtigste Makromeldung kam vom Schweizer BIP. Laut SECO-Flashschätzung wuchs die Schweizer Wirtschaft im ersten Quartal real und saisonbereinigt um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das lag über den Erwartungen vieler Ökonomen, die eher mit 0,3 bis 0,4 Prozent gerechnet hatten. Besonders wichtig: Sowohl Industrie als auch Dienstleistungen trugen zum Wachstum bei. Nach dem schwachen zweiten Halbjahr 2025 ist das ein beruhigendes Signal, auch wenn die Details erst Anfang Juni folgen.
Gleichzeitig wurde die Prognoseseite vorsichtiger. UBS senkte ihre Erwartung für das sporteventbereinigte Schweizer BIP-Wachstum 2026 von 0,9 auf 0,7 Prozent und hob die Inflationsprognose von 0,3 auf 0,6 Prozent an. Begründet wurde das vor allem mit dem höheren Ölpreis infolge des Konflikts zwischen den USA und Iran. Für die SNB spricht dieses Bild eher für Geduld: kein akuter Inflationsschock, aber auch kein Umfeld, in dem weitere Lockerungen selbstverständlich wären.
Auf Unternehmensebene stach Swiss Life heraus. Der Versicherer meldete für das erste Quartal ein höheres Geschäftsvolumen, 6 Prozent mehr Fee-Erträge und 5 Prozent höhere Prämieneinnahmen in Lokalwährungen. Zusätzlich übernimmt Swiss Life Deutschland die TELIS Gruppe mit rund 1’800 zertifizierten Beraterinnen und Beratern. Der Schritt passt zur Strategie, das beratungs- und gebührenbasierte Geschäft auszubauen. Am Markt wurde die Meldung als qualitativ solide gelesen, auch wenn die Woche insgesamt stärker von Medtech- und Technologiewerten geprägt war.
Ausblick nächste Woche
Die kommende Woche ist in der Schweiz verkürzt: Wegen Pfingstmontag startet der SIX-Handel erst am Dienstag. Der heimische Kalender ist danach überschaubar, aber nicht leer. Im Fokus stehen Stimmungsindikatoren wie das KOF-Konjunkturbarometer und weitere Hinweise darauf, ob der gute Jahresstart der Schweizer Wirtschaft trägt. Die detaillierte BIP-Schätzung des SECO folgt am 1. Juni und wird zeigen, welche Branchen tatsächlich hinter dem Q1-Plus standen.
International wird vor allem der Freitag wichtig. In den USA stehen mit den PCE-Inflationsdaten die bevorzugte Preiskennzahl der Fed im Zentrum. Für Schweizer Anleger ist das relevant, weil US-Renditen und Dollar/Franken weiterhin stark auf Zinserwartungen reagieren. Daneben bleiben Ölpreis und Nahost-Nachrichten entscheidend. Sollte sich die Entspannung bestätigen, hätten zyklische Schweizer Aktien weiteren Spielraum. Dreht der Ölpreis wieder nach oben, dürfte die Rotation rasch defensiver werden.
Nach der starken Woche ist die Ausgangslage konstruktiv, aber nicht sorglos. Der SMI hat mit 13’503 Punkten wieder ein solides Niveau erreicht, und die Breite war besser als zuletzt. Entscheidend wird nun, ob der Markt den Wochengewinn nach dem langen Wochenende verteidigen kann. Die Botschaft der KW 21 lautet: Schweizer Aktien sind wieder gefragt, aber die Käufer bleiben wählerisch.
finpost.ch — Unabhängiger Schweizer Finanzblog. Quellen: Yahoo Finance, SIX/Indexdaten, Finanz und Wirtschaft, cash.ch, Swissinfo/SECO, Swiss Life, UBS. Alle Angaben ohne Gewähr.