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Wochenrückblick KW 22: Schweizer Börse legt nur 0,3 Prozent zu

Die Schweizer Börse beendete die Woche leicht höher. SPI-Näherung SPICHA.SW und SMI gewannen je rund 0,3 Prozent, während LEM, Aryzta und Cicor auffielen.

Die Schweizer Börse hat die verkürzte Woche mit einem kleinen Plus abgeschlossen. Nach dem kräftigen Anstieg der Vorwoche blieb der Markt zwar konstruktiv, aber deutlich selektiver. Der SMI schloss am Freitag bei 13’542,66 Punkten und lag damit 0,29 Prozent über dem Schlussstand vom 22. Mai. Der als handelbare SPI-Näherung beobachtete SPICHA.SW stieg von 87,00 auf 87,26 Franken, ein Plus von 0,30 Prozent.

Das klingt unspektakulär, ist aber nicht ganz belanglos. Der Schweizer Markt hielt den grössten Teil des Vorwochengewinns, obwohl die Nachrichtenlage uneinheitlich blieb: geopolitische Risiken, Ölpreisbewegungen und die Frage, wie lange die SNB bei sehr tiefer Inflation noch abwartet. Die Woche war damit weniger eine Fortsetzung der Rally als ein Test, ob die Käufer nach dem ersten Impuls im Markt bleiben.

Woche im Überblick

Der SMI bewegte sich über die Woche in einer engen Spanne. Nach einem Start bei 13’503 Punkten folgte am Dienstag ein Rücksetzer, am Mittwoch eine Erholung, am Donnerstag wieder etwas Druck und am Freitag ein freundlicher Abschluss. Unter dem Strich blieb ein kleines Plus von rund 39 Punkten. Auch der breite Markt zeigte kaum mehr als Stabilisierung. SPICHA.SW kam auf ein Wochenplus von 0,30 Prozent.

Auffällig war die Rotation innerhalb des Marktes. Defensive Schwergewichte lieferten keinen grossen Zug, während einzelne zyklische und technologiebezogene Titel deutlich stärker liefen. Gleichzeitig wurden Aktien mit enttäuschenden Zahlen hart abgestraft. Das spricht für einen Markt, der grundsätzlich risikobereit bleibt, aber bei Bewertungs- oder Margenfragen kaum Geduld zeigt.

Top-Mover der Woche

Der stärkste beobachtete Gewinner war LEM Holding. Die Aktie sprang von 328 auf 480 Franken und legte damit 46,3 Prozent zu. Der Sensorik- und Messtechnikkonzern war damit der klare Ausreisser der Woche. Nach einer längeren Schwächephase reichte offenbar eine Neubewertung der Aussichten, um eine kräftige Gegenbewegung auszulösen. Bei kleineren Titeln können solche Bewegungen allerdings auch durch geringere Liquidität verstärkt werden.

Auf Rang zwei folgte Aryzta mit einem Plus von 11,7 Prozent auf 61 Franken. Der Backwarenkonzern bleibt ein Restrukturierungs- und Margenthema, doch der Markt scheint wieder stärker auf operative Fortschritte zu achten. Cicor gewann 9,0 Prozent auf 158 Franken. Der Elektronikspezialist profitierte weiter von der Fantasie rund um Aufträge und strukturelles Wachstum in anspruchsvollen Industrien.

Auf der Verliererseite stand Dottikon ES im Zentrum. Die Aktie fiel von 363 auf 310 Franken, ein Minus von 14,6 Prozent. Auslöser waren die Jahreszahlen 2025/26: Der Umsatz stieg zwar, das Ergebnis fiel aber leicht tiefer aus. Der Markt reagierte scharf, weil die Bewertung zuvor wenig Raum für Enttäuschungen liess. Compagnie Financière Tradition verlor 9,7 Prozent auf 261.50 Franken. Orell Füssli gab 7,4 Prozent auf 150.50 Franken nach und gehörte ebenfalls zu den schwächeren Titeln.

Wichtigste News

Die wichtigste Schweizer Konjunkturmeldung kam am Freitag vom KOF-Institut. Das KOF-Konjunkturbarometer stieg im Mai nur leicht auf 98,0 Punkte, nach revidierten 97,8 Punkten im April. Damit verbessert sich die Stimmung zwar, bleibt aber unter dem langfristigen Durchschnitt. Für Anleger ist das eine nüchterne Botschaft: Die Schweizer Wirtschaft wächst weiter, aber der Aufschwung ist noch nicht breit genug, um Euphorie zu rechtfertigen.

Auf Unternehmensebene prägte Dottikon den Freitag. Der Spezialchemiekonzern meldete für das Geschäftsjahr 2025/26 höhere Nettoerlöse, aber ein leicht tieferes Ergebnis. In einem Markt, der Qualitätswerte hoch bewertet, genügte das für einen deutlichen Kursrutsch. Die Reaktion zeigt, wie eng die Toleranz bei Titeln geworden ist, deren langfristige Wachstumsgeschichte bereits im Kurs steckt.

Besser war die Stimmung bei ausgewählten zyklischen und konsumorientierten Werten. Richemont gewann über die Woche 8,4 Prozent, Swatch 8,3 Prozent und Logitech 8,6 Prozent. Das ist bemerkenswert, weil Luxus- und Technologiewerte zuletzt stark von globalen Zinserwartungen, US-Konsumentenstimmung und China-Sorgen abhängig waren. Die Erholung deutet darauf hin, dass Investoren wieder selektiv in Qualitätstitel mit internationalem Hebel zurückkehren.

Ausblick nächste Woche

Die kommende Woche bringt mehr harte Daten. In der Schweiz veröffentlicht das SECO am Montag die detaillierte BIP-Schätzung für das erste Quartal. Die Flash-Schätzung hatte bereits ein reales Wachstum von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal gezeigt. Entscheidend wird nun, welche Branchen tatsächlich getragen haben und ob die Industrie den positiven Eindruck bestätigt.

Am Mittwoch folgt der Schweizer Landesindex der Konsumentenpreise für Mai. Für die SNB ist das die wichtigste Zahl der Woche. Die Inflation liegt weiterhin sehr tief, doch Energiepreise und Wechselkursbewegungen können die Erwartungen rasch verändern. Ein erneut schwacher Inflationswert würde die Diskussion über zusätzliche Lockerungsschritte anheizen, während ein höherer Wert der SNB etwas mehr Zeit verschaffen würde.

International richten sich die Blicke auf Einkaufsmanagerindizes, europäische Inflationsdaten und den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Für Schweizer Aktien bleibt die Kombination aus Dollar/Franken, US-Renditen und globaler Risikostimmung zentral. Nach zwei positiven Wochen ist die Ausgangslage ordentlich, aber nicht überhitzt. Die Botschaft der KW 22 lautet: Der Schweizer Markt hält sich gut, doch die echten Kaufargumente müssen nun wieder von Daten und Unternehmenszahlen kommen.


finpost.ch — Unabhängiger Schweizer Finanzblog. Quellen: Yahoo Finance, SIX/Indexdaten, KOF/ETH Zürich, SECO, BFS, cash.ch, Unternehmensangaben. Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung.

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