Wochenrückblick KW 23: SPI verliert 0,9 Prozent, Partners Group rutscht ab
Die Schweizer Börse schloss die Woche schwächer. Der SPI gab rund 0,9 Prozent nach, der SMI verlor 1,1 Prozent; im Zentrum standen Partners Group, tiefe Inflation und ein gemischtes Konjunkturbild.
Die Schweizer Börse hat die erste Juniwoche mit Verlusten beendet. Nach der ruhigen Vorwoche kam wieder mehr Bewegung in den Markt, allerdings nicht in die gewünschte Richtung. Der als handelbare SPI-Näherung beobachtete SPICHA.SW fiel von 87.26 auf 86.50 Franken und verlor damit 0.87 Prozent. Der SMI gab stärker nach: von 13’542.66 auf 13’388.23 Punkte, ein Minus von 1.14 Prozent.
Der Rückgang war kein klassischer Ausverkauf, aber er zeigte, wie empfindlich der Markt derzeit auf Einzelnachrichten und Zinsfantasie reagiert. Besonders Finanzwerte und ausgewählte Wachstumsaktien standen unter Druck. Gleichzeitig gab es auf der Gewinnerseite durchaus Qualitätstitel, die sich deutlich gegen den Trend stemmten. Die KW 23 war damit weniger eine breite Schwächewoche als eine Woche der Differenzierung.
Woche im Überblick
Der breite Schweizer Markt startete bereits ohne grossen Schwung in die Woche. Am Montag belastete die detaillierte BIP-Zahl für das erste Quartal: Die Schweizer Wirtschaft wuchs zwar, aber nur um 0.4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die frühere Schnellschätzung hatte noch 0.5 Prozent erwarten lassen. Das ist kein schlechtes Bild, aber auch kein Signal für einen kräftigen Aufschwung.
Zur Wochenmitte rückte dann die Inflation in den Fokus. Die Schweizer Teuerung blieb im Mai bei 0.6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit weiterhin sehr tief. Für die SNB ist das komfortabel, für den Markt aber zweischneidig: Tiefe Inflation hält Zinssenkungsfantasie am Leben, sagt gleichzeitig aber auch, dass die Binnenkonjunktur nicht überhitzt. Der Franken und die globalen Renditen bleiben deshalb für Schweizer Aktien wichtig.
Am Freitag meldete FuW einen leicht festeren Schweizer Markt zum Wochenschluss, mit einem breiten SPI bei 18’926.39 Punkten. Für die Gesamtwoche blieb der SMI dennoch im Minus. Nach zwei stabilen Wochen war das ein kleiner Rückschritt, aber noch kein Bruch des konstruktiven Gesamtbildes.
Top-Mover der Woche
Der stärkste beobachtete Gewinner war Belimo. Die Aktie stieg von 827.00 auf 902.50 Franken und legte 9.1 Prozent zu. Der Gebäudetechnikspezialist profitierte von anhaltendem Interesse an qualitativ starken Industrie- und Effizienztiteln. In einem schwächeren Markt ist ein solcher Anstieg bemerkenswert, weil Belimo ohnehin kein billiger Turnaround-Wert ist.
Auf Rang zwei folgte Compagnie Financière Tradition mit einem Plus von 7.8 Prozent auf 282.00 Franken. Nach der schwachen Vorwoche kam es hier zu einer klaren Gegenbewegung. Kühne+Nagel gewann 6.4 Prozent auf 191.85 Franken. Der Logistikkonzern profitierte von einer besseren Stimmung bei global zyklischen Titeln, auch wenn die Branche insgesamt weiterhin von Frachtpreisen, Welthandel und Währungseffekten abhängig bleibt.
Auf der Verliererseite stand ams-OSRAM mit einem Minus von 14.5 Prozent auf 17.23 Franken. Der Halbleiterwert bleibt hoch volatil und anfällig für Gewinnmitnahmen, sobald Tech- und KI-Fantasie nicht mehr alles trägt. Partners Group verlor 14.1 Prozent auf 710.80 Franken. Auslöser war die Nachricht, dass Rücknahmen in einem Evergreen-Private-Equity-Fonds beschränkt wurden; Reuters meldete am Mittwoch zeitweise ein Minus von 13 Prozent. Bachem gab 10.8 Prozent auf 68.55 Franken nach und gehörte ebenfalls zu den schwächsten beobachteten Schweizer Aktien.
Wichtigste News
Die wichtigste Schweizer Konjunkturmeldung kam vom SECO. Das reale BIP wuchs im ersten Quartal 2026 bereinigt um Sportevents um 0.4 Prozent. Getragen wurde das Wachstum vor allem von der Industrie, deren Wertschöpfung um 1.3 Prozent zunahm. Schwächer war dagegen die Binnenwirtschaft: Der private Konsum stagnierte, Handel und Detailhandel schrumpften. Das passt zu einem Markt, der zwar stabil bleibt, aber noch keinen breiten Nachfrageboom sieht.
Zweite zentrale Meldung war die Inflation. Mit 0.6 Prozent im Mai bleibt die Teuerung klar im Zielband der SNB. Damit nimmt der Preisdruck der Notenbank kaum Handlungsspielraum weg. Gleichzeitig ist die Lage nicht ganz so einfach: Der Franken ist stark, die Energiepreise bleiben geopolitisch sensibel, und die SNB steht bereits bei einem Leitzins von 0.00 Prozent. Weitere Lockerung wäre möglich, aber nicht mehr beliebig komfortabel.
Auch der Arbeitsmarkt lieferte ein gemischtes Signal. Laut SECO sank die unbereinigte Zahl der Arbeitslosen im Mai um 2’627 Personen, saisonbereinigt stieg die Arbeitslosenquote aber auf 3.1 Prozent. Das ist noch kein dramatischer Wert, zeigt aber, dass die Wirtschaft nicht völlig spannungsfrei läuft. Die OECD bleibt entsprechend vorsichtig und erwartet für die Schweiz 2026 ein moderates BIP-Wachstum von 1.1 Prozent und 2027 von 1.5 Prozent.
Ausblick nächste Woche
Die kommende Woche wird international wichtiger als national. In der Schweiz stehen nach BIP, Inflation und Arbeitsmarktdaten weniger harte Veröffentlichungen an. Für den Schweizer Markt bedeutet das: Der Blick geht stärker auf die USA, die Eurozone und den Franken.
Am Mittwoch veröffentlicht die USA den Konsumentenpreisindex für Mai. Nach der hohen April-Inflation von 3.8 Prozent im Vorjahresvergleich wird diese Zahl für Anleihen, Dollar und Aktien entscheidend. Ein höherer Wert könnte die Zinssenkungsfantasie weiter bremsen und defensive Schweizer Schwergewichte belasten. Ein schwächerer Wert würde dagegen Risikoanlagen stützen.
Am Donnerstag folgt die EZB. Die Märkte rechnen mit einer wichtigen Standortbestimmung für die Eurozone, nachdem Energiepreise und Wachstumssorgen wieder stärker diskutiert werden. Für Schweizer Anleger ist das relevant, weil Euro/Franken und die europäische Konjunktur direkt auf Exporteure, Industrie- und Luxuswerte wirken.
Die eigentlichen Notenbanktermine von Fed und SNB folgen erst in der darauffolgenden Woche. Trotzdem beginnt die Positionierung dafür bereits jetzt. Nach dem Minus der KW 23 ist die Ausgangslage nüchtern: Der Schweizer Markt bleibt solide, aber ohne frische Impulse anfällig. Entscheidend wird, ob die nächste Woche eher Entlastung bei den globalen Zinsen bringt oder ob die defensiven Qualitäten der Schweizer Börse erneut getestet werden.
finpost.ch — Unabhängiger Schweizer Finanzblog. Quellen: Yahoo Finance, SIX/Indexdaten, FuW, SECO, BFS, OECD, Reuters, cash.ch, Unternehmensangaben. Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung.