Wochenrückblick KW 24: SMI steigt 2,9 Prozent vor Fed und SNB
Die Schweizer Börse hat die Verluste der Vorwoche aufgeholt. Der SPI legte rund 2,7 Prozent zu, der SMI gewann 2,9 Prozent; gesucht waren Givaudan, Richemont und ausgewählte Industriewerte.
Die Schweizer Börse hat in der KW 24 deutlich Boden gutgemacht. Nach dem Rücksetzer der Vorwoche reichte schon etwas Entspannung bei globalen Zinsen und Risikoappetit, um die defensiv geprägte Schweizer Börse wieder nach oben zu ziehen. Der als handelbare SPI-Näherung beobachtete SPICHA.SW stieg von 86.01 auf 88.34 Franken und gewann damit 2.71 Prozent. Der SMI legte von 13’320.99 auf 13’708.02 Punkte zu, ein Plus von 2.91 Prozent.
Das Bild war aber nicht gleichmässig. Qualitäts- und Analystenstorys lagen klar vorne, während einzelne Technologie- und Industrienebenwerte unter Druck gerieten. Unter der ruhigen Indexoberfläche wurde kräftig rotiert.
Woche im Überblick
Der Schweizer Markt startete zunächst noch vorsichtig in die Woche. Die Vorwoche hatte mit schwächeren Kursen, Diskussionen um US-Zinsen und einzelnen Unternehmensbelastungen Spuren hinterlassen. Ab Dienstag drehte die Stimmung jedoch spürbar. Besonders auffällig war Givaudan: Die Aktie sprang nach positiven Analystenkommentaren deutlich an und wurde zeitweise zum stärksten SMI-Wert.
Zur Wochenmitte kamen weitere Impulse von Richemont. Der Luxusgüterkonzern profitierte von anhaltendem Interesse an europäischen Qualitätstiteln und von höheren Kurszielen aus dem Analystenlager. Am Freitag erreichte die Aktie im Handel ein neues 52-Wochen-Hoch und stützte den SMI zusammen mit UBS, Sika, Geberit und Holcim.
Makroseitig blieb die Schweiz in einer komfortablen, aber nicht euphorischen Lage. Die Inflation liegt weiterhin tief, der Arbeitsmarkt ist stabil, und die Wirtschaft wächst moderat. Diese Kombination hilft Schweizer Aktien kurzfristig: Sie lässt Zinssenkungsfantasie zu, ohne sofort Rezessionsangst auszulösen. Die Woche war deshalb eher eine Bewertungs- und Stimmungswoche als eine Woche harter Konjunkturüberraschungen.
Top-Mover der Woche
Auf der Gewinnerseite stand Gurit an der Spitze des beobachteten Schweizer Aktienuniversums. Die Aktie stieg von 33.80 auf 37.20 Franken und gewann 10.1 Prozent. Nach den schwierigen Monaten bei zyklischen Spezialwerten reichte offenbar schon etwas bessere Risikostimmung, um den Titel kräftig nach oben zu bewegen.
Bossard folgte mit einem Plus von 9.7 Prozent auf 192.00 Franken. Der Verbindungstechnik-Spezialist profitierte von der freundlicheren Industriestimmung. Comet legte 9.4 Prozent auf 380.80 Franken zu und zeigte, dass Halbleiter- und Ausrüstungsfantasie nicht aus dem Markt verschwunden ist, auch wenn der Sektor volatil bleibt.
Knapp dahinter lagen Implenia mit plus 9.1 Prozent, Givaudan mit plus 8.7 Prozent und Richemont mit plus 8.5 Prozent. Gerade Givaudan und Richemont waren für den Gesamtmarkt wichtig, weil sie grosse Indexgewichte beziehungsweise klare Qualitätsgeschichten darstellen.
Auf der Verliererseite stand Cicor Technologies mit einem Minus von 10.8 Prozent auf 135.80 Franken. Nach einer starken Phase kam es hier zu deutlichen Gewinnmitnahmen. SoftwareOne verlor 8.6 Prozent auf 8.01 Franken und blieb damit einer der schwächeren Schweizer Technologiewerte. LEM Holding gab 7.1 Prozent auf 423.00 Franken nach. Ebenfalls schwach waren Interroll, Kardex und Temenos.
Wichtigste News
Die auffälligste Marktmeldung war der Kurssprung von Givaudan. Der Aromen- und Duftstoffkonzern stieg am Dienstag kräftig, nachdem Analysten ihre Einschätzung verbessert hatten. Givaudan steht für defensive Qualität, Preissetzungsmacht und stabile Margen. Wenn solche Titel gesucht sind, nehmen Anleger wieder Risiko, springen aber nicht blind in hochzyklische Werte.
Richemont lieferte das zweite Signal. Die Aktie näherte sich ihrem Jahreshoch und profitierte von optimistischen Einschätzungen grosser Banken. Für den Schweizer Markt ist das relevant, weil Richemont stark an der globalen Konsumstimmung und insbesondere an China hängt. Der Kursanstieg deutet darauf hin, dass Investoren wieder selektiver auf Luxuswerte schauen, statt die Branche pauschal wegen China-Sorgen abzustrafen.
Das dritte Thema war die Rotation innerhalb des Schweizer Marktes. Während SMI-Schwergewichte wie Givaudan, Richemont, UBS und Sika gefragt waren, verloren SoftwareOne, Temenos, Cicor, LEM und Kardex klar an Boden. Das spricht nicht für einen breit euphorischen Markt. Es zeigt vielmehr, dass Anleger nach der nervösen Vorwoche wieder kaufen, aber genauer zwischen stabilen Gewinnern, zyklischen Hoffnungen und enttäuschungsanfälligen Nebenwerten unterscheiden.
Ausblick nächste Woche
Die kommende Woche wird für Schweizer Anleger deutlich wichtiger als die abgelaufene. Im Zentrum steht zuerst die US-Notenbank. Das FOMC tagt am 16. und 17. Juni. Eine Zinspause gilt am Markt als wahrscheinlich, entscheidend wird aber der Ton: Bleibt die Fed bei einer vorsichtigen Lockerungsperspektive, oder rückt sie wegen hartnäckiger Inflation stärker in Richtung neutraler bis restriktiver Kommunikation?
Direkt danach folgt der für die Schweiz wichtigere Termin: die SNB. Der Leitzins liegt seit Juni 2025 bei 0.00 Prozent. Bei einer Inflation von rund 0.6 Prozent hat die Nationalbank Spielraum, aber nicht unendlich viel. Eine weitere Lockerung könnte den Franken schwächen, ein Schritt unter null wäre jedoch politisch und kommunikativ sensibel. Für Exportwerte, Banken und Immobilienaktien zählt deshalb auch die neue Inflations- und Wachstumsprognose.
Auch international bleibt der Kalender voll. Anleger achten auf Daten aus China, US-Konjunktursignale und die Bank of England. Für den Schweizer Markt bedeutet das: Die gute KW 24 hat die Ausgangslage verbessert, aber die nächste Woche kann die Richtung neu setzen. Nach einem Plus von fast 3 Prozent im SMI ist der Markt anfälliger für Enttäuschungen. Kommt von Fed und SNB dagegen ein ruhiger Ton, könnte der Schweizer Markt seine Erholung fortsetzen.
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