Wochenrückblick KW 27: SPI steigt 2,10 Prozent und SMI setzt Rekordjagd fort
Die Schweizer Börse beendete die erste Juliwoche klar im Plus. Der SPI schloss bei 20’326 Punkten, der SMI bei 14’424 Punkten, während AMS Osram und Kardex im breiten Markt herausragten.
Die Schweizer Börse hat die erste Juliwoche mit einem starken Schlussspurt beendet. Der breite SPI stieg am Freitag auf 20’326,79 Punkte und lag damit rund 2,10 Prozent über dem Stand der Vorwoche. Der SMI gewann auf Wochenbasis 1,77 Prozent und schloss bei 14’424,24 Punkten. Damit setzte der Leitindex seine Rekordjagd fort: Das Tageshoch vom Freitag bei 14’426,87 Punkten markierte zugleich ein neues Jahres- und Rekordniveau.
Woche im Überblick
Die Woche begann unspektakulär, endete aber mit einem klaren Signal: Schweizer Aktien bleiben gefragt. Am Montag gewann der SMI 0,36 Prozent, am Dienstag folgte ein kleiner Rücksetzer von 0,21 Prozent. Zur Wochenmitte gab der Index nochmals 0,56 Prozent nach. Entscheidend war dann der Donnerstag. Nach schwächeren US-Arbeitsmarktsignalen sanken die Zinssorgen, der Dow Jones lief in Richtung Rekordstand, und auch Zürich zog kräftig mit. Der SMI sprang am Donnerstag 1,69 Prozent nach oben.
Am Freitag fehlten wegen des vorgezogenen US-Feiertags zwar die Impulse aus New York, doch der Schweizer Markt blieb robust. Der SMI legte weitere 0,50 Prozent zu, der SPI gewann 0,59 Prozent. Besonders auffällig war, dass nicht nur defensive Schwergewichte stützten. ABB, Holcim, Kühne+Nagel und Lonza gehörten bei den Blue Chips zu den stärksten Titeln. Roche, Swiss Re und Partners Group lagen am Freitag leicht im Minus, konnten den Gesamtmarkt aber nicht bremsen.
Der breite Markt wirkte insgesamt gesünder als in vielen früheren Rekordphasen. Beim SPI Extra, also den Schweizer Titeln ausserhalb des SMI, stand zum Wochenschluss ebenfalls ein Plus von 2,18 Prozent. Das spricht für eine bessere Marktbreite: Die Bewegung wurde nicht nur von wenigen grossen Pharma- oder Konsumtiteln getragen, sondern auch von Industrie, Technologie und ausgewählten Nebenwerten.
Top-Mover der Woche
Unter den beobachteten Schweizer Aktien ragte AMS Osram heraus. Die Aktie gewann auf Wochensicht 15,22 Prozent und schloss am Freitag bei 20.06 Franken. Der Titel bleibt volatil, doch die Kombination aus aufgehellter Stimmung bei Technologiewerten, Erholungshoffnung im Halbleiterumfeld und spekulativer Nachfrage sorgte für einen deutlichen Kurssprung.
Ebenfalls stark war Kardex mit einem Wochenplus von 10,15 Prozent. Der Intralogistik-Spezialist profitierte von der wieder freundlicheren Sicht auf Industrie- und Automatisierungstitel. Tecan legte 8,79 Prozent zu und setzte damit eine kräftige Erholung fort. Knapp dahinter folgten Asmallworld mit 8,62 Prozent sowie OC Oerlikon und Kühne+Nagel mit jeweils rund 7,9 Prozent.
Auf der Verliererseite fiel Adval Tech trotz eines starken Freitags auf Wochensicht um 13,45 Prozent. Bei sehr marktengen Nebenwerten können einzelne Transaktionen das Bild stark verzerren, entsprechend vorsichtig sollte man solche Bewegungen interpretieren. EvoNext verlor 7,92 Prozent, Santhera gab 6,45 Prozent nach. Auch Calida lag mit minus 5,28 Prozent klar im Minus. Bei den grossen SMI-Werten gab es dagegen keine dramatischen Wochenverlierer; selbst Partners Group, am Freitag schwächster Blue Chip, lag auf Wochensicht noch im Plus.
Wichtigste News
Makroseitig war die Woche überraschend konstruktiv. Das KOF-Konjunkturbarometer stieg im Juni auf 101,2 Punkte, nach revidiert 98,6 Punkten im Mai. Damit liegt der Frühindikator wieder leicht über seinem langfristigen Durchschnitt. Besonders die Signale aus der Industrie, der Auslandnachfrage und dem privaten Konsum verbesserten sich. Für den Aktienmarkt war das wichtig, weil es die Rekordstände nicht nur als Zinsfantasie erscheinen lässt, sondern auch mit einer besseren Konjunkturperspektive unterlegt.
Gleichzeitig blieb die Inflation tief. Die Jahresteuerung in der Schweiz sank im Juni auf 0,5 Prozent nach 0,6 Prozent im Mai. Damit bleibt sie komfortabel im Zielbereich der Schweizerischen Nationalbank. Für Anleger bedeutet das: Der Zinsdruck bleibt gering, und die SNB hat keinen unmittelbaren Grund, restriktiver zu werden. Das unterstützt Bewertungsmultiplikatoren, besonders bei Qualitäts- und Wachstumstiteln.
Ein gemischtes Bild lieferte die Industrie. Der procure.ch/UBS-Einkaufsmanagerindex fiel im Juni von 57,3 auf 54,3 Punkte. Das war schwächer als erwartet, liegt aber weiterhin klar über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Botschaft ist deshalb nicht Rezession, sondern Normalisierung: Die Dynamik lässt nach, bleibt aber positiv. Dazu passten robuste Detailhandelszahlen für Mai, die auf eine weiterhin solide Binnenkonjunktur hindeuten.
Ausblick nächste Woche
Die kommende Woche dürfte international stärker geprägt sein als schweizerisch. In den USA stehen der ISM-Dienstleistungsindex, die Handelsbilanz und vor allem das Protokoll der letzten Fed-Sitzung im Fokus. Nach den jüngsten Arbeitsmarktdaten werden Anleger jedes Signal zur künftigen Zinspolitik genau lesen. Sinkende Zinssorgen waren ein wichtiger Treiber der Rallye; jede Korrektur dieser Erwartung könnte auch Zürich erfassen.
In Europa achten die Märkte auf Detailhandelsdaten der Eurozone und weitere Konjunktursignale aus Deutschland, Frankreich und Italien. Für die Schweiz bleibt der Blick auf den Franken wichtig. Ein zu starker Franken könnte Exporttitel belasten, während die tiefe Inflation den Binnenmarkt stützt. Unternehmensseitig beginnt erst langsam die nächste Berichtssaison, weshalb makroökonomische Impulse und internationale Vorgaben kurzfristig wichtiger bleiben als Einzeltitelzahlen.
Die Ausgangslage für Schweizer Aktien ist damit freundlich, aber anspruchsvoll. Der SMI steht auf Rekordniveau, der SPI hat die Marke von 20’000 Punkten klar zurückerobert, und die Marktbreite sieht besser aus als noch im Frühjahr. Gleichzeitig sind viele gute Nachrichten bereits in den Kursen. Nächste Woche wird deshalb weniger die Frage sein, ob die Rallye berechtigt war, sondern ob sie frische Anschlusskäufe findet.
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