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Wochenrückblick KW 28: SPI verliert 1,49 Prozent nach Rekordwoche

Nach der starken Vorwoche nahm die Schweizer Börse Gewinne mit. Der SPI fiel auf 20’023 Punkte, der SMI gab 1,31 Prozent nach, während Medartis und Logitech positiv auffielen.

Die Schweizer Börse hat nach der Rekordjagd der Vorwoche einen Gang zurückgeschaltet. Der breite SPI schloss am Freitag bei 20’023,15 Punkten und lag damit 1,49 Prozent unter dem Stand vom 3. Juli. Der SMI beendete die Woche bei 14’235,09 Punkten, ein Minus von 1,31 Prozent. Dramatisch war der Rücksetzer nicht, aber er bremste die Euphorie vom Monatsanfang spürbar.

Woche im Überblick

Die Woche begann mit Gewinnmitnahmen. Nach dem Rekordschluss vom Freitag zuvor fiel der SMI am Montag um 0,85 Prozent auf 14’302 Punkte. Am Dienstag folgte eine technische Erholung um 0,41 Prozent, bevor der Mittwoch mit minus 1,30 Prozent zum schwächsten Handelstag der Woche wurde. Der Auslöser war weniger eine einzelne Schweizer Meldung als ein Mix aus höherer Vorsicht, starken Kursgewinnen im Rücken und wieder präsenten Öl- und Nahost-Risiken.

Am Donnerstag und Freitag stabilisierte sich der Markt. Der SMI legte am Donnerstag 0,29 Prozent und am Freitag weitere 0,14 Prozent zu. Das reichte aber nicht, um die Wochenverluste auszugleichen. Der breite Markt zeigte ein ähnliches Bild: Der SPI hielt zwar die Marke von 20’000 Punkten, verlor aber fast 304 Punkte gegenüber dem Vorwochenschluss.

Bemerkenswert war die Rotation unter der Oberfläche. Logitech, Swiss Life, UBS und Lonza schlossen die Woche im Plus. Dagegen belasteten Sika, Holcim, Sandoz, SIG Group und Belimo den breiteren Markt. Nach einer sehr starken ersten Juliwoche war das weniger ein Bruch der Aufwärtsbewegung als eine gesunde, aber spürbare Korrektur.

Top-Mover der Woche

Unter den beobachteten Schweizer Aktien führte Medartis die Gewinnerliste an. Die Aktie stieg von 85.30 auf 91.70 Franken, ein Wochenplus von 7,50 Prozent. Der Medtech-Titel profitierte von erneut stärkerem Interesse an wachstumsorientierten Schweizer Qualitätswerten. Santhera folgte mit plus 6,35 Prozent. Nach dem Rücksetzer der Vorwoche wirkte der Titel wieder stabiler, bleibt aber wegen der geringen Markttiefe volatil. Liechtensteinische Landesbank legte 5,19 Prozent zu und setzte damit ein defensives Finanzsignal in einer sonst eher vorsichtigen Woche.

Knapp dahinter rangierte Logitech mit plus 4,81 Prozent. Swissquote gewann 3,93 Prozent, mobilezone 3,50 Prozent und Vontobel 3,23 Prozent.

Auf der Verliererseite stand erneut Adval Tech. Die Aktie fiel um 10,22 Prozent auf 40.40 Franken. Bei engen Nebenwerten sollte man solche Bewegungen nicht überinterpretieren, doch der Titel bleibt seit Wochen schwankungsanfällig. Perrot Duval verlor 9,70 Prozent, Belimo gab 9,47 Prozent nach. Ebenfalls deutlich schwächer waren Highlight Event and Entertainment mit minus 9,09 Prozent sowie SIG Group mit minus 8,57 Prozent.

Bei den grösseren Titeln fielen vor allem Sika mit minus 6,81 Prozent, Amrize mit minus 7,23 Prozent und Holcim mit minus 5,45 Prozent auf. Die Wochenverluste waren damit nicht nur ein Nebenwerte-Thema.

Wichtigste News

Die wichtigste Schweizer Börsenmeldung kam von der Indexseite. SIX bestätigte im Rahmen der ordentlichen Indexüberprüfung, dass Galderma und Sandoz in den SMI aufsteigen. Swisscom und Kühne+Nagel verlassen den Leitindex und wechseln in den SMIM. Die Anpassung erfolgt nach Börsenschluss am 18. September und wird am 21. September wirksam. Für Indexfonds, passive Strategien und Liquiditätsflüsse ist der Entscheid relevant.

Unternehmensseitig lieferte EMS-Chemie solide Halbjahreszahlen. Der Spezialchemiekonzern erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoumsatz von 1,012 Milliarden Franken, leicht unter Vorjahr, steigerte das EBIT aber auf 310 Millionen Franken. In lokalen Währungen wuchs der Umsatz um 4,5 Prozent. EMS hob zudem die Umsatzprognose leicht an und erwartet für 2026 weiterhin ein Betriebsergebnis leicht über Vorjahr. Das passt zum Bild vieler Schweizer Exporteure: operativ robust, aber vom starken Franken gebremst.

Makroseitig war der Schweizer Arbeitsmarkt stabiler als erwartet. Die Arbeitslosenquote sank im Juni auf 2,9 Prozent nach 3,0 Prozent im Mai. Gleichzeitig blieb die Konsumentenstimmung schwach: Der SECO-Index lag im Juni bei minus 36 Punkten und damit vier Punkte tiefer als vor einem Jahr. Die Binnenkonjunktur ist also nicht eingebrochen, aber von echter Kauflaune kann weiterhin keine Rede sein.

Ein weiteres Signal kam vom Primärmarkt. Infracore, ein Spezialist für Schweizer Gesundheitsimmobilien, ging an die SIX. Der Ausgabepreis lag bei 54 Franken je Aktie, die Marktkapitalisierung zum Börsenstart bei rund 826 Millionen Franken. Grössere Börsengänge waren zuletzt selten; der Neuzugang erhöht die Marktbreite.

Ausblick nächste Woche

Die kommende Woche wird stärker international geprägt sein als schweizerisch. Im Zentrum stehen die US-Inflationsdaten: Am Dienstag werden die Verbraucherpreise für Juni veröffentlicht, am Mittwoch folgen Produzentenpreise und weitere Konjunktursignale. Am Donnerstag rücken die US-Detailhandelsumsätze in den Fokus. Für die Schweizer Börse ist das entscheidend, weil Zinserwartungen, Dollar, Franken und globale Risikobereitschaft derzeit eng zusammenhängen.

Aus China kommen zur Wochenmitte wichtige Wachstumsdaten, darunter das BIP für das zweite Quartal und Juni-Zahlen zu Industrieproduktion und Detailhandel. Schwächere Daten könnten zyklische Schweizer Titel wie ABB, Sika, Holcim oder Kühne+Nagel belasten; bessere Daten würden der These einer globalen Stabilisierung helfen.

In Europa stehen Industrie- und Inflationsdaten an, während Kanada über die Zinsen entscheidet. Für die Schweiz selbst bleibt der Kalender ruhiger. Entscheidend wird deshalb sein, ob der SMI oberhalb von 14’200 Punkten Halt findet und ob der SPI die Marke von 20’000 Punkten verteidigt. Nach der Rekordwoche Anfang Juli war die Korrektur nicht überraschend. Die nächste Woche zeigt, ob daraus nur eine Pause wird oder der Markt tiefer Luft holen muss.


finpost.ch — Unabhängiger Schweizer Finanzblog. Quellen: SIX, Yahoo Finance Kursdaten, MarketWatch, Google Finance, Trading Economics, SECO, EMS Group, SIX Medienmitteilungen, Infracore/EQS. Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung.

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