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Wochenrückblick KW 29: SPI gewinnt 0,66 Prozent, SMI bleibt nahe Rekordniveau

Die Schweizer Börse hat die Verluste der Vorwoche teilweise wettgemacht. Der SPI schloss bei 20’156 Punkten, der SMI gewann 0,76 Prozent, während DocMorris, Adecco und Georg Fischer auffielen.

Die Schweizer Börse hat sich in der dritten Juliwoche stabil gezeigt. Nach dem Rücksetzer der Vorwoche gewann der breite SPI 0,66 Prozent und schloss am Freitag bei 20’156,26 Punkten. Der SMI legte auf Wochensicht 0,76 Prozent zu und beendete den Handel bei 14’343,70 Punkten. Damit bleibt der Leitindex nur wenig unter seinem jüngsten Rekordbereich.

Woche im Überblick

Die Woche war kein klarer Durchmarsch, sondern eher eine kontrollierte Erholung. Der Schweizer Markt startete vorsichtig, fand aber im Verlauf der Woche wieder Käufer. Besonders der Freitag half dem Wochenbild: Der SMI stieg um 0,54 Prozent, der SPI gewann 0,44 Prozent. Nach dem Minus der Vorwoche reichte das für eine freundliche Wochenbilanz.

Unter der Oberfläche blieb die Marktbewegung allerdings selektiv. Finanzwerte, einzelne Industriewerte und Spezialitäten liefen besser, während Halbleiter- und Medtech-Titel teils deutlich unter Druck standen. Das passt zum internationalen Bild: In Europa sorgte die Schwäche bei Technologiewerten für Zurückhaltung, während robuste Unternehmenszahlen und die Hoffnung auf stabile Zinsen stützten.

Für Schweizer Anleger war vor allem wichtig, dass die Marke von 20’000 Punkten im SPI gehalten wurde. Sie ist technisch nicht magisch, aber psychologisch relevant. Nach der starken ersten Juliwoche und der Korrektur in KW 28 signalisiert der Markt damit: Die Aufwärtsbewegung ist nicht gebrochen, aber sie wird anspruchsvoller. Der SMI bleibt ebenfalls in Schlagdistanz zu seinen Hochs, getragen von defensiver Qualität, Finanzwerten und ausgewählten zyklischen Titeln.

Top-Mover der Woche

An der Spitze der Schweizer Wochengewinner stand DocMorris. Die Aktie legte laut TradingView-Screener auf Fünf-Tage-Sicht 22,46 Prozent zu und schloss bei 10.66 Franken. Der Titel bleibt hoch volatil, profitierte aber von erneuter Nachfrage nach Turnaround- und Wachstumswerten.

Fast gleich stark war Adecco mit einem Wochenplus von 22,15 Prozent auf 20.46 Franken. Nach einer längeren Schwächephase suchten Anleger offenbar wieder nach zyklischen Erholungskandidaten. C Capital folgte mit plus 20,69 Prozent, wobei der Titel wegen der geringeren Markttiefe vorsichtig interpretiert werden sollte. Bei den bekannteren Namen fiel zudem Georg Fischer auf: Die Aktie gewann 18,97 Prozent, getragen von den Halbjahreszahlen und einem freundlichen Analysten- und Anleger-Echo.

Auf der Verliererseite stand ams-OSRAM. Nach der starken Vorwoche verlor die Aktie 20,63 Prozent und schloss bei 15.08 Franken. Der Titel bleibt einer der schwankungsreichsten Schweizer Industriewerte. R&S Group gab 16,26 Prozent nach, Ultima Capital verlor 15,79 Prozent. Bei den liquideren Nebenwerten waren auch Gurit mit minus 14,62 Prozent und PolyPeptide mit minus 12,11 Prozent klar schwächer.

Die Liste zeigt zwei Dinge: Erstens war die Woche im breiten Markt besser als die grossen Indizes allein vermuten lassen. Zweitens kamen viele extreme Bewegungen aus Nebenwerten. Für Investoren ist deshalb wichtiger, zwischen echter Nachrichtenreaktion und marktenger Kursbewegung zu unterscheiden.

Wichtigste News

Makroseitig lieferte die Schweiz erneut ein deflationäres Preissignal. Die Produzenten- und Importpreise fielen im Juni um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr lag das Minus bei 2,1 Prozent. Für die Schweizerische Nationalbank ist das ein komfortables Umfeld: Der Inflationsdruck bleibt tief, und der Franken nimmt zusätzlich Spannung aus den Importpreisen. Für Aktien ist das grundsätzlich unterstützend, weil es den Zinsdruck begrenzt.

Unternehmensseitig stand ABB im Fokus. Der Konzern kündigte die Übernahme des britischen Industrieausrüsters Rotork für rund 5,6 Milliarden Dollar an. Strategisch stärkt ABB damit Automatisierung und Elektrifizierung, finanziert auch durch Mittel aus dem Verkauf der Robotiksparte an SoftBank. Gleichzeitig reagierte die ABB-Aktie zunächst verhalten. Der Markt mochte die industrielle Logik, stellte aber Fragen zum Preis und zur Integration.

Ein weiteres Thema war das neue Handelsabkommen zwischen der Schweiz und Grossbritannien. Der Dienstleistungsdeal soll den Zugang für Fachkräfte und Unternehmen erleichtern und zusätzliche britische Dienstleistungsexporte in Milliardenhöhe ermöglichen. Für die Schweiz ist das weniger ein kurzfristiger Börsentreiber als ein Signal: In einer fragmentierten Handelswelt bleiben stabile bilaterale Abkommen ein Standortvorteil.

Daneben eröffnete die Wettbewerbskommission eine Vorabklärung gegen Google, nachdem der Konzern die Suchmaschinen-Auswahl auf Android-Geräten in der Schweiz entfernt hatte. Für den Gesamtmarkt ist das klein, politisch aber interessant: Die Schweiz rückt bei digitalen Wettbewerbsfragen näher an die europäische Debatte heran.

Ausblick nächste Woche

Die kommende Woche bringt mehr internationale Impulse. Im Zentrum steht die Sitzung der Europäischen Zentralbank am Mittwoch und Donnerstag. Der Markt erwartet keine grosse Überraschung, wird aber genau auf Aussagen zu Energiepreisen, Inflation und September blicken. Für die Schweiz ist das relevant, weil Euro-Zinsen, Franken und Exportstimmung eng zusammenhängen.

Am Freitag folgen die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes aus Deutschland, der Eurozone, Grossbritannien und den USA. Nach den jüngsten Schwankungen bei Technologiewerten und Ölpreisen werden diese Daten zeigen, ob die globale Konjunktur weiter trägt oder die Gewinnsaison auf dünnerem Boden steht.

In der Schweiz selbst stehen SNB-Datenpublikationen und die monatliche Bankenstatistik im Kalender. Unternehmensseitig wird Novartis am Dienstag mit den Q2-Zahlen wichtig. Nach der jüngsten Indexnähe des SMI kann ein grosser Pharmatitel die Stimmung spürbar prägen.

Die Ausgangslage bleibt konstruktiv, aber nicht bequem. Der SPI hat die 20’000er-Marke verteidigt, der SMI hält sich nahe am Rekordniveau, und die Schweizer Inflation bleibt tief. Gleichzeitig zeigen die Top-Mover, wie nervös einzelne Titel reagieren. Nächste Woche entscheidet sich, ob die Erholung breiter wird oder ob der Markt vor der eigentlichen Berichtssaison wieder vorsichtiger wird.


finpost.ch — Unabhängiger Schweizer Finanzblog. Quellen: SIX, MarketWatch, Google Finance, Investing.com, TradingView Screener, Trading Economics, SNB, EZB, Reuters/MarketScreener, WSJ, FT, Guardian. Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung.

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