KI POST

Wochenrückblick KW 34: SMI gewinnt 0,46 Prozent, der breite Markt bleibt zäh

Der Schweizer Leitindex rettete dank Pharma- und Qualitätswerten ein kleines Wochenplus. Im breiten Markt dominierten dagegen selektive Bewegungen, starke Exportdaten und neue China-Fantasie.

Die Schweizer Börse hat eine unruhige, aber am Ende robuste Woche hinter sich. Der SMI schloss am Freitag bei 14’456,98 Punkten und lag damit 0,46 Prozent über dem Stand der Vorwoche. Der als SPI-Proxy verwendete UBS Core SPI ETF (SPICHA.SW) beendete die Woche bei 92,07 Franken nach 92,71 Franken am Vorfreitag; das entspricht einem Minus von 0,69 Prozent. Der breite Markt blieb damit spürbar schwerfälliger als der Leitindex.

Das Bild war typisch für eine späte Augustwoche: wenig Euphorie, viel Selektivität. Defensive Schwergewichte halfen dem SMI, während kleinere und mittelgrosse Titel stärker auf Einzelnachrichten reagierten. International blieb das Umfeld gemischt, hohe Anleiherenditen hielten die Bewertungsfrage auf dem Tisch.

Woche im Überblick

Der SMI startete schwach in die Woche. Am Montag fiel der Leitindex um 0,61 Prozent auf 14’302,39 Punkte. Danach arbeitete sich der Markt schrittweise zurück: Dienstag plus 0,13 Prozent, Mittwoch plus 0,46 Prozent, Donnerstag minus 0,13 Prozent und am Freitag ein klarer Schlussspurt von 0,62 Prozent. Entscheidend war die Aufholjagd in den grossen defensiven Titeln, insbesondere im Gesundheitssektor.

Der breite Schweizer Markt blieb dagegen zäher. Der SPICHA-ETF verlor auf Wochensicht knapp 0,7 Prozent. Das zeigt, dass die Erholung nicht gleichmässig getragen war. Neben einigen starken Sondersituationen gab es deutliche Rückschläge bei Industrie-, Technologie- und Konsumwerten. Für Anleger war es keine Woche, in der ein steigender Index automatisch ein breites Wohlgefühl bedeutete.

Trotzdem blieb die Grundverfassung konstruktiv. Der Schweizer Markt profitiert weiterhin von tiefen Inflationsraten, stabilen Unternehmensbilanzen und seiner defensiven Sektorstruktur. Die Kehrseite: Bewertungen sind nicht mehr billig.

Top-Mover der Woche

Unter den handelbaren Schweizer SIX-Aktien mit relevanter Marktkapitalisierung führte Basilea Pharmaceutica die Gewinnerliste an. Die Aktie legte auf Wochensicht 21,4 Prozent zu. Der Biotech- und Antiinfektiva-Spezialist profitierte von anhaltend positiver Wahrnehmung seiner Pipeline und der stärkeren Nachfrage nach Titeln mit eigenständigen Kurstreibern.

Knapp dahinter folgte Leonteq mit plus 21,1 Prozent. Nach langer Schwäche reichte schon eine Verbesserung des Sentiments, um den strukturiert-produkte-nahen Finanzwert kräftig nach oben zu treiben. Bell Food Group gewann 12,1 Prozent und zeigte, dass defensive Konsumwerte in einem nervösen Markt wieder mehr Beachtung finden.

Auf der Verliererseite stand Huber + Suhner mit minus 21,7 Prozent klar im Fokus. Der Titel wurde nach einer zuvor starken Phase hart zurückgenommen. SIG Group verlor 13,8 Prozent, belastet von Skepsis gegenüber Margen, Wachstum und Verschuldung im Verpackungsgeschäft. LEM Holding gab 13,6 Prozent nach; hier blieb der Markt bei zyklischen Elektronik- und Industriewerten besonders vorsichtig.

Die grosse Botschaft der Top-Mover: Der Schweizer Markt war diese Woche kein homogener Block. Pharma, ausgewählte Finanzwerte und defensive Konsumtitel fanden Käufer. Industrie- und zyklische Wachstumswerte wurden deutlich strenger beurteilt.

Wichtigste News

Die wichtigste Schweizer Makronachricht kam vom Aussenhandel. Der Handelsbilanzüberschuss stieg im Juli auf 8,1 Milliarden Franken und erreichte damit den höchsten Monatswert seit Beginn der Datenreihe 1950. Exporte sprangen saisonbereinigt deutlich an, getrieben vor allem von Chemie- und Pharmaprodukten. Für die Schweiz ist das ein starkes Signal: Der Exportmotor läuft, auch wenn die Dynamik stark auf wenige Branchen konzentriert bleibt.

Auch die Uhrenindustrie lieferte bessere Zahlen. Die Schweizer Uhrenexporte stiegen im Juli um 9,6 Prozent auf über 2,6 Milliarden Franken. Besonders die USA blieben stark; Exporte dorthin legten um rund 27 Prozent zu. Asien blieb dagegen uneinheitlich. Für Swatch Group, Richemont und Zulieferer ist das gemischte Bild wichtig: Die Erholung ist real, aber regional nicht breit abgestützt.

Politisch und wirtschaftlich relevant war zudem der Abschluss der Verhandlungen über ein modernisiertes Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China. Künftig sollen 99,8 Prozent der heutigen Schweizer Exporte zollfrei nach China gelangen können. Das ist besonders für Uhren, Pharma, Maschinen und Präzisionsinstrumente relevant. Der Schritt kommt zur richtigen Zeit, weil die Schweiz ihre Exportmärkte diversifizieren muss.

Auf Unternehmensebene stach Holcim hervor. Der Baustoffkonzern übernimmt Fermacell von James Hardie für rund 840 Millionen Euro. Die Transaktion stärkt Holcim im europäischen Geschäft mit nachhaltigen Wand- und Bodensystemen. Siegfried überzeugte zudem mit höheren Halbjahresumsätzen, besserer EBITDA-Marge und bestätigtem Ausblick.

Ausblick nächste Woche

In der kommenden Woche richtet sich der Blick zuerst auf die internationalen Zinsen. Vom 27. bis 29. August findet das Jackson-Hole-Symposium der Kansas City Fed statt. Die erste grosse Rede des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh dürfte die Richtung für Renditen, Dollar und Risikoappetit vorgeben. Für Schweizer Aktien ist das relevant, weil steigende US-Renditen Qualitätsaktien belasten können.

In den USA stehen zudem wichtige Konjunkturdaten an: Verbrauchervertrauen, persönliche Einkommen und Ausgaben, PCE-Inflation, BIP-Schätzung und Aufträge langlebiger Güter. Besonders die PCE-Daten fliessen direkt in die Zinserwartungen ein.

Für die Schweiz wird es am Mittwoch mit den ZEW-Erwartungen und am Freitag mit dem KOF-Konjunkturbarometer interessant. Der KOF-Indikator lag zuletzt bei 103,5 Punkten. Ein weiterer Anstieg würde die These stützen, dass die Schweizer Wirtschaft trotz schwacher Konsumentenstimmung und globaler Risiken stabil bleibt.

Die Ausgangslage bleibt damit vorsichtig konstruktiv. Der SMI hat die Woche sauber verteidigt, aber der breite Markt sendet weniger klare Signale. Wer investiert ist, kann dabei bleiben. Wer neu einsteigen will, sollte selektiv bleiben: Qualität ja, aber nicht zu jedem Preis.


finpost.ch — Unabhängiger Schweizer Finanzblog. Quellen: SIX, MarketScreener, TradingView, Trading Economics, FH, BAZG, Federal Reserve Bank of Kansas City, Forex TradingCharts, Investing.com, FT.com. Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung.

← Zurück zur Startseite