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Wochenrückblick KW 35: SMI verliert 0,4 Prozent, KOF hellt das Bild auf

Der Schweizer Aktienmarkt ging leicht schwächer aus der Woche, während der KOF-Indikator ein überraschend robustes Konjunktursignal lieferte. Unter der Oberfläche dominierten Nebenwerte und Einzelnachrichten.

Die Schweizer Börse hat eine Woche ohne klare Richtung hinter sich. Der SMI schloss am Freitag bei 14’399,77 Punkten und lag damit 0,40 Prozent unter dem Stand vom Freitag der Vorwoche. Der als SPI-Proxy verwendete UBS Core SPI ETF (SPICHA.SW) beendete die Woche bei 92,54 Franken nach 92,82 Franken; das entspricht einem Minus von 0,30 Prozent.

Damit blieb der breite Markt etwas stabiler als der Leitindex, doch von echter Dynamik konnte keine Rede sein. Der Wochenverlauf war typisch für die späte Sommerphase: einzelne starke Unternehmensgeschichten, wenig Breite, dazu ein internationales Umfeld, das nach der Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole wieder stärker über Zinsen und Inflation nachdachte.

Woche im Überblick

Der SMI startete verhalten in die Woche. Am Montag ging es leicht zurück, am Dienstag und Mittwoch folgte eine Erholung, bevor der Donnerstag mit einem Minus von 1,09 Prozent den Wochenverlauf klar belastete. Der kleine Anstieg vom Freitag reichte nur noch zur Stabilisierung. Unter dem Strich blieb ein moderates Wochenminus.

Auffällig war, dass der Markt trotz solider Makrodaten nicht richtig Fahrt aufnahm. Das liegt auch an der Struktur des Schweizer Leitindex: Wenn defensive Schwergewichte nicht geschlossen ziehen, bleibt der SMI rasch stehen. Gleichzeitig sorgten ausgewählte Industrie-, Technologie- und Tourismuswerte für Bewegung im SPI.

International kam Gegenwind von der Zinsseite. Warsh signalisierte in Jackson Hole, dass die US-Notenbank bei hartnäckiger Inflation handlungsbereit bleibt. Für Aktien mit hohen Bewertungen ist das ein Stresstest, auch in der Schweiz.

Top-Mover der Woche

Bei den Schweizer SIX-Aktien führte Gurit die Gewinnerliste mit einem Wochenplus von 49,1 Prozent an. Der Titel war lange schwer unter Druck; die kräftige Gegenbewegung zeigt, wie schnell Nebenwerte reagieren können, wenn das Sentiment dreht.

Ebenfalls stark war Stadler Rail mit plus 27,9 Prozent. Der Bahntechnikkonzern profitierte von neuer Kaufbereitschaft für zyklische Industriegeschichten und der Hoffnung, dass sich Auftragseingänge und Margen stabilisieren. Vetropack legte 24,0 Prozent zu und gehörte damit ebenfalls zu den auffälligsten Erholungswerten im Schweizer Markt.

Auf der Verliererseite stand Addex Therapeutics mit minus 30,4 Prozent. Bei kleineren Biotech-Werten reichen oft wenige Nachrichten oder geringe Liquidität für grosse Ausschläge. C Capital Holdings verlor 25,7 Prozent, ebenfalls bei dünnem Handel. Centiel gab 14,6 Prozent nach und rundete eine Verliererliste ab, die vor allem zeigt: Im Nebenwertebereich ist die Marktbreite trügerisch, weil einzelne Bewegungen rasch sehr gross werden.

Bei den bekannteren Titeln fielen Orior, Siegfried, Flughafen Zürich und Sandoz negativ auf. Besonders Flughafen Zürich stand am Freitag trotz solider Halbjahreszahlen unter Druck: gute Zahlen wurden nicht automatisch belohnt.

Wichtigste News

Das wichtigste Makrosignal kam vom KOF-Konjunkturbarometer. Der Indikator stieg im August auf 106,7 Punkte, nach revidiert 104,2 Punkten im Vormonat. Das war ein klar besseres Signal als erwartet und der höchste Stand seit November 2021. Besonders Industrie, übrige Dienstleistungen und Auslandnachfrage hellten sich auf. Nur der private Konsum blieb unter Druck.

Für die Schweizer Wirtschaft ist das bemerkenswert. Die Wachstumsstory bleibt nicht frei von Risiken, aber sie ist robuster, als es die vorsichtige Stimmung an der Börse vermuten lässt.

Auf Unternehmensebene lieferte Flughafen Zürich solide Halbjahreszahlen. Der Umsatz stieg um 5 Prozent auf 673,6 Millionen Franken, getragen von höheren Passagierzahlen und höheren Erträgen im Aviation- und Non-Aviation-Geschäft. Der Markt reagierte dennoch kühl.

Anders das Bild bei Jungfraubahn. Die Gruppe meldete für das erste Halbjahr einen Gewinn von 28,9 Millionen Franken, aber operative Erträge von 137,0 Millionen Franken und damit 8,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Belastend war der Rückgang asiatischer Gäste nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs. Für den Schweizer Tourismus ist das ein Hinweis darauf, wie abhängig Premiumdestinationen weiterhin von geopolitisch sensiblen Fernmärkten sind.

Politisch-wirtschaftlich blieb zudem die Beziehung zur EU ein Thema. Die Debatte um europäische Industriepolitik und “Made in Europe”-Regeln trifft die Schweiz direkt, besonders Maschinenbau, Präzisionsindustrie und Zulieferer.

Ausblick nächste Woche

Die kommende Woche bringt mehrere relevante Datenpunkte. In der Schweiz steht am Dienstag der procure.ch-UBS Einkaufsmanagerindex für August im Fokus. Nach 53,2 Punkten im Juli wird der Markt genau prüfen, ob die Industrieerholung trägt oder ob die jüngste KOF-Stärke zu optimistisch wirkt.

Am Donnerstag folgen die Schweizer Inflationsdaten für August sowie die detaillierten BIP-Zahlen für das zweite Quartal. Beim BIP interessiert vor allem, wie breit das Wachstum tatsächlich abgestützt war oder ob Chemie und Pharma erneut den Grossteil der Dynamik lieferten.

International richtet sich der Blick auf die USA. JOLTS, ISM-Daten, ADP und vor allem der Arbeitsmarktbericht am Freitag werden die Zinserwartungen vor dem Fed-Entscheid Mitte September prägen. Für den SMI heisst das: Gute Schweizer Daten helfen, aber die Richtung der US-Renditen bleibt der grössere Taktgeber.

Die Ausgangslage ist damit nüchtern konstruktiv. Der Schweizer Markt hat keine schlechte Woche gezeigt, aber auch keine starke. Wer investiert ist, kann selektiv dabeibleiben. Neue Käufe brauchen nach dieser Woche vor allem eines: eine klare Begründung jenseits des Indexniveaus.


finpost.ch — Unabhängiger Schweizer Finanzblog. Quellen: SIX, Investing.com, TradingView, Trading Economics, KOF/ETH Zürich, Flughafen Zürich, Jungfraubahn, Swissinfo/FT, WSJ. Alle Angaben ohne Gewähr. Keine Anlageberatung.

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