Wochenrückblick KW 36: SMI schliesst praktisch unverändert
Der Schweizer Markt rettete sich nach schwachem Wochenstart fast auf Vorwochenniveau. Unter der Oberfläche gab es klare Ausschläge bei Industriewerten, Biotech und Finanzthemen.
Der Schweizer Aktienmarkt hat eine unspektakuläre, aber aufschlussreiche Woche hinter sich. Der SMI beendete den Freitag bei 14’395.94 Punkten und lag damit gegenüber dem Schlusskurs vom Vorfreitag nur rund 0.03 Prozent tiefer. Der Wochenverlauf war dennoch lebhafter, als diese Schlusszahl vermuten lässt: Auf den Rücksetzer vom Montag folgten drei Erholungstage, bevor der Markt am Freitag nahezu unverändert aus dem Handel ging.
Woche im Überblick
Der SMI startete die Woche mit einem deutlichen Minus von 0.79 Prozent und fiel am Montag auf 14’286.43 Punkte. Danach arbeitete sich der Leitindex Schritt für Schritt zurück: +0.34 Prozent am Dienstag, +0.20 Prozent am Mittwoch und +0.22 Prozent am Donnerstag. Am Freitag reichte ein Mini-Plus von 0.01 Prozent auf 14’395.94 Punkte, um den Wochenverlust praktisch auszubügeln.
Beim breiteren SPI-Bild ist der Blick in dieser Woche etwas verzerrt, weil der als Referenz verwendete UBS Core SPI ETF (SPICHA.SW) am Freitag ex Dividende handelte. Der ETF schloss bei 91.18 Franken. Unbereinigt entspricht das gegenüber dem Vorfreitag einem Minus von rund 1.5 Prozent. Berücksichtigt man die Ausschüttung von 1.22 Franken, lag die Wochenbewegung aber nur leicht im Minus, ungefähr bei -0.2 Prozent. Inhaltlich passt das zum SMI: kein Ausbruch, aber auch kein Bruch.
Das Muster war klassisch schweizerisch. Defensive Schwergewichte hielten den Markt zusammen, während kleinere und mittlere Werte deutlich stärker schwankten. Der grosse Impuls fehlte, doch unter der Oberfläche wurde selektiv gekauft und verkauft.
Top-Mover der Woche
Zu den stärksten Schweizer Aktien der Woche zählten dormakaba, Vetropack und Banque Cantonale de Genève. dormakaba legte auf Wochensicht rund 15.2 Prozent zu und führte damit die Liste der grösseren Schweizer Gewinner klar an. Vetropack folgte mit rund 10.4 Prozent, BCGE mit rund 7.6 Prozent. Dahinter zeigten auch Forbo, Banque Cantonale Vaudoise, Logitech und Bucher Industries relative Stärke.
Die Verliererseite war ebenfalls markant. Kuros Biosciences verlor rund 18.4 Prozent und war damit der schwächste grössere Schweizer Wert der Woche. Idorsia gab rund 13.0 Prozent nach, Partners Group rund 9.7 Prozent. Auch R&S Group, Galderma, Sensirion, Stadler Rail und Flughafen Zürich standen unter Druck.
Die Liste zeigt zwei Dinge. Erstens blieb Risikoappetit im Schweizer Markt selektiv: Industrienamen konnten gesucht sein, aber nicht flächendeckend. Zweitens wurden Titel mit hoher Erwartungshaltung oder empfindlicher Bewertung rasch abgestraft. Gerade bei Biotech, Wachstumswerten und Private-Markets-nahen Aktien war die Toleranz für Enttäuschungen klein.
Wichtigste News
Das dominierende Schweizer Finanzthema war erneut UBS. Eine Kommission des Ständerats sprach sich für eine abgeschwächte Variante der strengeren Kapitalregeln aus. Statt die ausländischen Tochtergesellschaften vollständig mit hartem Kernkapital zu unterlegen, soll UBS einen Teil mit AT1-Instrumenten abdecken können. Für die Bank wäre das eine deutliche Entlastung gegenüber der ursprünglichen Linie des Bundesrats. Finanzministerin Karin Keller-Sutter kritisierte den Schritt scharf und stellte die Frage in den Raum, ob damit wieder zu viel Risiko beim Steuerzahler lande. Für den Markt ist das kurzfristig UBS-freundlich, politisch aber noch lange nicht entschieden.
Makroseitig sorgte die Schweizer Inflation für Aufmerksamkeit. Die Konsumentenpreise stiegen im August um 0.8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 0.4 Prozent im Juli. Das ist für Schweizer Verhältnisse weiterhin tief, lag aber über den Erwartungen. Der Effekt ist wichtig, weil die SNB nach der Phase sehr niedriger Teuerung weniger Spielraum für eine noch lockerere Geldpolitik bekommt. Ein einzelner Monatswert macht noch keinen Trend, aber der Markt dürfte kommende Preisdaten genauer lesen.
Auch die Börseninfrastruktur lieferte ein Signal: SIX meldete für August ein deutlich höheres Handelsvolumen gegenüber dem Vorjahr. Das passt zum Bild eines Markts, der zwar im Index ruhig wirkt, in einzelnen Segmenten aber lebhaft bleibt. Mehr Umsatz ist nicht automatisch bessere Stimmung, aber es zeigt, dass Anleger wieder aktiver umschichten.
Ausblick nächste Woche
In der Schweiz richtet sich der Blick auf den Konsumentenklima-Indikator des SECO sowie auf die Produzenten- und Importpreise für August. Nach dem überraschend höheren CPI wird besonders interessant, ob sich der Preisdruck auch auf der Vorstufe zeigt oder ob der August-Wert eher ein einzelner Ausschlag bleibt.
International wird die Woche zinspolitisch wichtiger als die abgelaufene. In den USA stehen Produzentenpreise und Konsumentenpreise an; beide Daten fallen kurz vor der nächsten Fed-Sitzung Mitte September und können die Zinserwartungen spürbar bewegen. Nach dem robusten US-Arbeitsmarktbericht ist klar: Für eine Entspannung bei den Renditen braucht es überzeugend kühlere Inflationszahlen.
In Europa steht zudem die EZB im Fokus. Der Markt rechnet mit einem weiteren Zinsschritt, weil Energiepreise und geopolitische Risiken die Inflationsdebatte wieder verschärft haben. Für Schweizer Aktien bedeutet das: Der SMI kann sich kurzfristig stabil halten, solange defensive Schwergewichte gesucht bleiben. Für zyklische und hoch bewertete Nebenwerte wird die nächste Woche anspruchsvoller. Entscheidend ist nicht nur, ob die Daten gut oder schlecht ausfallen, sondern ob sie die Zinsfantasie in die eine oder andere Richtung kippen.
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