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Wochenrückblick KW 37: SMI verliert 4,3 Prozent im Öl-Schock

Hohe Energiepreise, steigende Renditen und Forschungsrückschläge bei Novartis setzten den Schweizer Aktienmarkt unter Druck. Der SMI verlor 4,3 Prozent, der breite SPI 3,7 Prozent.

Die Schweizer Börse hat ihre schwächste Woche seit längerem erlebt. Der SMI fiel bis Freitag auf 13’775.27 Punkte und verlor gegenüber dem Vorwochenschluss 4.31 Prozent. Der breite SPI gab um 3.72 Prozent auf 19’454.12 Punkte nach. Auslöser waren eine Mischung aus stark gestiegenen Ölpreisen, neuen Zinssorgen und einem Kurssturz beim Indexschwergewicht Novartis.


Woche im Überblick

Die Woche begann bereits schwach und wurde von Tag zu Tag ungemütlicher. Nach einem Minus von 0.81 Prozent am Montag verlor der SMI am Dienstag weitere 1.55 Prozent. Am Mittwoch folgte mit einem Rückgang von 1.80 Prozent der stärkste Tagesverlust. Auch am Donnerstag ging es nochmals 0.47 Prozent abwärts. Erst am Freitag gelang eine kleine Gegenbewegung von 0.26 Prozent.

Unter dem Strich sank der SMI von 14’395.94 auf 13’775.27 Punkte. Der SPI fiel im gleichen Zeitraum von 20’206.24 auf 19’454.12 Punkte. Dass der SMI mit minus 4.31 Prozent noch schwächer abschnitt als der SPI mit minus 3.72 Prozent, lag wesentlich an Novartis. Der Pharmakonzern gehört zu den drei grossen Indexgewichten und verlor auf Wochensicht rund 13.5 Prozent.

Das internationale Umfeld bot wenig Schutz. Der Ölpreis der Sorte Brent stieg zeitweise bis nahe 110 Dollar je Fass, nachdem er eine Woche zuvor noch um 95 Dollar notiert hatte. Damit kehrte die Sorge zurück, dass höhere Energiepreise die Inflation erneut anfachen und die Notenbanken zu einer strafferen Linie zwingen könnten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen näherte sich der Marke von 5 Prozent. Am Freitag sorgten tiefere Ölpreise zwar für etwas Entspannung, sie konnten die tiefrote Wochenbilanz aber nicht mehr ändern.


Top-Mover der Woche

In einem Markt mit breiten Verlusten blieben Gewinner rar. Unter den liquideren Schweizer Titeln lag Huber+Suhner mit einem Plus von rund 4.6 Prozent vorne. Die Aktie profitierte von ihrer anhaltenden relativen Stärke im Industrie- und Datencenterumfeld. Gurit gewann rund 3.6 Prozent, Cicor Technologies etwa 3.3 Prozent. Ebenfalls auffällig war Swisscom: Der defensive SMI-Titel legte rund 2.8 Prozent zu und bot Anlegern in der turbulenten Woche einen seltenen sicheren Hafen.

Auf der Verliererseite führte Novartis die Liste mit rund minus 13.5 Prozent an. Zwei Forschungsrückschläge innert weniger Tage erschütterten das Vertrauen in die Pipeline. Besonders schwer wog, dass Pelacarsen, ein Hoffnungsträger gegen erhöhte Lipoprotein(a)-Werte und daraus resultierende Herz-Kreislauf-Risiken, das Ziel einer Phase-III-Studie verfehlte. Nach dem Kurssturz wurden auch Forderungen eines Grossaktionärs nach Veränderungen im Verwaltungsrat laut.

Orior verlor rund 11.9 Prozent und setzte damit seinen schwierigen Kursverlauf fort. Interroll gab etwa 9.2 Prozent nach; allein am Donnerstag brach die Aktie des Fördertechnikspezialisten um 7.7 Prozent ein. Dormakaba, Curatis, Burkhalter und mehrere Medtech- und Wachstumswerte standen ebenfalls deutlich unter Druck. Das Muster war eindeutig: In einer Woche steigender Zinsen und sinkender Risikobereitschaft wurden hoch bewertete sowie wenig liquide Titel besonders hart verkauft.


Wichtigste News

Das wichtigste Unternehmensereignis war der Novartis-Schock. Er traf nicht nur die Aktie, sondern verzerrte wegen des hohen Indexgewichts auch das Bild des gesamten Schweizer Markts. Die Reaktion zeigt, wie viel Vertrauen bereits in die Medikamentenpipeline eingepreist war. Positive Daten zu Remibrutinib gegen Multiple Sklerose konnten die zwei Rückschläge nicht kompensieren.

Konjunkturell kamen gemischte Signale. Die Arbeitslosenquote blieb im August zwar bei 3.0 Prozent, die Zahl der Arbeitslosen stieg gegenüber dem Vormonat aber um 2’268 auf 141’544. Im Jahresvergleich waren 7.1 Prozent mehr Personen arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig verbesserte sich die Konsumentenstimmung: Der SECO-Index lag im August bei minus 33 Punkten und damit sieben Punkte höher als vor einem Jahr. Die Haushalte beurteilen die allgemeine Wirtschaftsentwicklung weniger pessimistisch, bleiben bei ihrer eigenen finanziellen Zukunft und bei grösseren Anschaffungen jedoch zurückhaltend.

Ein robusteres Bild lieferten die marktorientierten Branchen. Ihre Umsätze stiegen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 5.3 Prozent, die Beschäftigung um 2.0 Prozent. Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Dienstleistungssektor, während die Industrie beim Umsatz leicht rückläufig blieb. Das passt zum aktuellen Gesamtbild: Die Schweizer Wirtschaft hält sich besser als die Börsenwoche vermuten lässt, doch exportorientierte Industriefirmen spüren steigende Handelsbarrieren, Energiekosten und Konkurrenz aus China.


Ausblick nächste Woche

Am Montag veröffentlicht die Schweiz die Produzenten- und Importpreise für August. Nach dem Anstieg der Konsumentenpreise und dem jüngsten Ölpreisschub wird entscheidend sein, ob sich auf der Vorstufe bereits neuer Preisdruck zeigt. Am Dienstag präsentiert die OECD ihren Länderbericht zur Schweizer Wirtschaftspolitik. Im Zentrum stehen Wettbewerbsfähigkeit, Altersvorsorge, Gesundheitskosten, Arbeitskräftepotenzial und die administrative Belastung der Unternehmen. Am Donnerstag folgen die Schweizer Aussenhandelszahlen für August sowie die neue SECO-Konjunkturprognose.

Der wichtigste internationale Termin ist der Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwoch. Nach den jüngsten Inflationsdaten und dem Energiepreisschock rechnet der Markt mehrheitlich mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Neben dem Entscheid werden die neuen Projektionen und der Zinsausblick entscheidend sein. Am Donnerstag folgt die Bank of England.

Für den Schweizer Markt bleibt die Kombination aus Ölpreis, Anleiherenditen und Franken ausschlaggebend. Nach dem Wochenverlust ist eine technische Erholung möglich. Nachhaltig wird sie aber nur, wenn sich die Lage am Energiemarkt beruhigt und die Notenbanken keine zusätzliche Härte signalisieren.


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