Wochenrückblick KW 38: SPI rettet ein Plus von 0,3 Prozent
Der Schweizer Aktienmarkt stabilisiert sich nach drei schwachen Wochen. Starke Konjunkturdaten stützen, während höhere Zinsen, Energiepreise und ein Kurseinbruch bei Rieter für Unruhe sorgen.
Die Schweizer Börse hat sich nach dem Ausverkauf der Vorwoche knapp gefangen. Der breite SPI beendete die Woche bei 19’514.97 Punkten und legte 0.31 Prozent zu. Der SMI schloss bei 13’786.72 Punkten praktisch unverändert mit einem Plus von 0.08 Prozent. Unter der ruhigen Indexoberfläche blieben die Ausschläge bei einzelnen Aktien jedoch beträchtlich.
Woche im Überblick
Der Wochenstart brachte eine Erholung, doch die Gewinne hielten nicht vollständig. Der SMI stieg am Montag um 0.75 Prozent, gab am Dienstag 0.50 Prozent nach und gewann am Mittwoch sowie Donnerstag wieder 0.43 beziehungsweise 0.57 Prozent. Am Freitag folgte beim grossen Verfall von Aktien- und Indexderivaten ein Rückschlag von 1.15 Prozent. Damit blieb vom zwischenzeitlich freundlichen Wochenbild nur ein hauchdünnes Plus.
Der SMI stieg gegenüber dem Vorwochenschluss von 13’775.27 auf 13’786.72 Punkte. Der SPI verbesserte sich von 19’454.12 auf 19’514.97 Punkte. Dass der breite Markt etwas besser abschnitt, lag vor allem an der Erholung mehrerer kleiner und mittelgrosser Werte. Gleichzeitig belasteten am Freitag Nestlé, Swisscom und Amrize den Leitindex.
International standen die Notenbanken im Mittelpunkt. Die US-Notenbank erhöhte ihren Leitzins erstmals seit 2023 um 25 Basispunkte und signalisierte, dass ein weiterer Schritt folgen könnte. Auch die Bank of Japan hob ihren Satz auf 1.25 Prozent an. Die Entschlossenheit im Kampf gegen die Inflation wurde zunächst positiv aufgenommen, doch steigende Anleiherenditen und weiterhin hohe Ölpreise holten die Anleger zum Wochenschluss wieder ein.
Top-Mover der Woche
Bei den Gewinnern führte BVZ Holding mit rund 6.6 Prozent. Der wenig liquide Titel setzte die positive Reaktion auf den Halbjahresbericht fort. Der Bahnbetreiber hatte einen stabilen Gesamtertrag von 112 Millionen Franken ausgewiesen, trotz höherer Kosten und eines um 15.5 Prozent tieferen Gruppengewinns. Klingelnberg gewann rund 4.3 Prozent, Curatis etwa 3.9 Prozent. Bei beiden Nebenwerten verstärkte der geringe Handel die Kursbewegungen.
Auf der Verliererseite ragte Rieter mit einem Wochenminus von rund 26 Prozent heraus. Die UBS stufte den Textilmaschinenhersteller von «Neutral» auf «Sell» zurück und senkte das Kursziel von 3.10 auf 2 Franken. Die Analystin rechnet wegen der schwachen Textilmärkte bis 2027 mit keiner wesentlichen Belebung der Bestellungen. Bereits die Halbjahreszahlen hatten mit einem operativen Verlust enttäuscht.
Highlight Event & Entertainment verlor rund 19.2 Prozent, MindMaze Therapeutics etwa 8 Prozent. Beide Titel sind klein kapitalisiert und wenig liquide; entsprechend können einzelne Verkaufsaufträge die Kurse stark bewegen. Bei den grösseren Werten fiel die UBS mit einem Wochenverlust von 6.8 Prozent auf. Dagegen erholte sich Novartis nach dem Einbruch der Vorwoche um 2.7 Prozent.
Wichtigste News
Für den stärksten Konjunkturimpuls sorgte der Bund. Die Expertengruppe des SECO hob ihre Prognose für das sporteventbereinigte Wirtschaftswachstum 2026 deutlich von 0.9 auf 1.7 Prozent an. Für 2027 erwartet sie weiterhin 1.6 Prozent. Grundlage ist das ausserordentlich kräftige Wachstum von 1.5 Prozent im zweiten Quartal. Allerdings entfiel fast die Hälfte davon auf die schwankungsanfällige Chemie- und Pharmabranche. Hohe Energiepreise, der Iran-Konflikt und die Handelspolitik bleiben Risiken.
Weniger erfreulich waren die Aussenhandelszahlen. Die Exporte brachen im August gegenüber Juli nominal um 17.2 Prozent ein, die Importe um 11.6 Prozent. Hauptursache war in beiden Richtungen die Chemie- und Pharmabranche. Der Handelsüberschuss sank auf 5.6 Milliarden Franken. Ausserhalb dieses Sektors zeigte sich die Exportentwicklung dagegen positiv. Auch die Uhrenindustrie setzte ein freundlicheres Zeichen: Ihre Ausfuhren lagen 9.1 Prozent über dem Vorjahresmonat.
Der Preisauftrieb auf der Vorstufe nahm wieder zu. Der Produzenten- und Importpreisindex stieg im August um 0.7 Prozent gegenüber dem Vormonat. Teurer wurden vor allem Mineralölprodukte, Chemikalien sowie Erdöl und Erdgas. Im Jahresvergleich lag das Preisniveau dennoch 0.7 Prozent tiefer. Die Zahlen zeigen damit noch keinen breiten Inflationsschub, erinnern aber daran, wie schnell die höheren Energiepreise in der Schweizer Wirtschaft ankommen können.
Ausblick nächste Woche
Der wichtigste Termin folgt am Donnerstag: Die Schweizerische Nationalbank veröffentlicht um 9.30 Uhr ihren Zinsentscheid. Der Leitzins steht derzeit bei 0 Prozent. Angesichts der weiterhin niedrigen Inflation spricht vieles für unveränderte Zinsen. Entscheidend werden die neue Inflationsprognose und die Aussagen zum starken Franken, zu den Energiepreisen und zur überraschend robusten Konjunktur sein. Bereits am Dienstag publiziert die SNB die Zahlungsbilanz und den Auslandvermögensstatus für das zweite Quartal.
International stehen am Mittwoch die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone und die USA an. Sie zeigen, ob höhere Energie- und Finanzierungskosten die Unternehmen bereits stärker bremsen. Aus den USA folgen am Donnerstag die Verkäufe neuer Häuser und am Freitag die Aufträge langlebiger Güter sowie das Konsumentenvertrauen der Universität Michigan.
Nach der ersten positiven Woche seit einem Monat hat sich das technische Bild etwas beruhigt, aber nicht grundlegend gedreht. Für Schweizer Aktien dürften der SNB-Entscheid, der Franken, die Ölpreise und die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen die Richtung vorgeben.
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