Wochenrückblick KW 43: SMI hält sich im Plus – ABB verliert 10,4 Prozent
Der Schweizer Aktienmarkt rettet trotz Gewinnmitnahmen ein kleines Wochenplus. Firmenzahlen sorgen für grosse Ausschläge, während steigende Ölpreise und die anstehenden Zinsentscheide von Fed und EZB die Anleger beschäftigen.
Nach dem Kursfeuerwerk der Vorwoche ist der Schweizer Aktienmarkt einen Gang zurückgefallen. Die grossen Indizes verteidigten zwar ein kleines Plus, doch unter der Oberfläche ging es deutlich lebhafter zu: Gute Quartalszahlen wurden belohnt, hohe Bewertungen dagegen unerbittlich abgestraft. Gleichzeitig stieg der Ölpreis weiter – und damit die Nervosität vor einer Woche voller Notenbankentscheide.
Woche im Überblick: Kleines Plus nach starkem Lauf
Der Swiss Performance Index (SPI) schloss am Freitag bei 20’387,91 Punkten. Gegenüber dem Vorwochenschluss von 20’243,96 Punkten entspricht dies einem Wochengewinn von 0,7 Prozent. Der Swiss Market Index (SMI) beendete die Woche bei 14’462,36 Punkten und legte um 0,5 Prozent zu.
Der Verlauf war zweigeteilt. Bis Mittwoch setzten die Schweizer Standardwerte ihren Aufwärtstrend fort, am Donnerstag liess die Dynamik nach. Am Freitag fiel der SMI um 0,6 Prozent. Nach drei positiven Wochen und einem Anstieg von mehr als 900 Punkten waren Gewinnmitnahmen kaum überraschend.
Für Unruhe sorgte vor allem der Ölpreis. Brent-Rohöl verteuerte sich im Wochenverlauf weiter und schloss am Freitag bei rund 117 Dollar je Fass. Höhere Energiekosten schüren Inflationssorgen und begrenzen den Spielraum der Notenbanken. Der Schweizer Markt hielt sich dank seiner defensiven Schwergewichte dennoch besser als viele internationale Börsen.
Top-Mover: Galderma vorne, ABB unter Druck
Unter den SMI-Titeln führte Galderma die Gewinnerliste mit plus 8,5 Prozent an. Der Dermatologiekonzern überzeugte mit starken Quartalszahlen und hob den Jahresausblick an. Logitech gewann 5,9 Prozent, Alcon legte 5,9 Prozent zu. Auch Holcim gehörte mit einem Wochenplus von 4,1 Prozent zu den auffälligen Gewinnern.
Am anderen Ende stand ABB mit minus 10,4 Prozent. Das ist bemerkenswert, weil der Industriekonzern starke Zahlen präsentierte und seine Prognose erhöhte. Doch nach dem vorangegangenen Höhenflug reichte das nicht mehr: Zweifel an hohen Bewertungen von KI- und Rechenzentrumsprofiteuren lösten Gewinnmitnahmen aus.
Richemont verlor 8,3 Prozent. Schwache Vorgaben internationaler Luxusgüterkonzerne belasteten die gesamte Branche; am Freitag allein sackte die Aktie um 6,4 Prozent ab. UBS gab über die Woche 3,3 Prozent nach. Die Spanne zwischen Gewinnern und Verlierern zeigt, wie stark die laufende Berichtssaison den Markt inzwischen prägt.
Schweizer Wirtschaft: Exporte steigen, SNB bleibt wachsam
Der Schweizer Aussenhandel lieferte ein robustes Signal. Im dritten Quartal stiegen die Exporte gegenüber dem Vorquartal saisonbereinigt um 2,6 Prozent auf 75,0 Milliarden Franken. Real betrug das Plus sogar 3,3 Prozent. Die Importe nahmen nominal um 1,8 Prozent auf den Rekordwert von 61,0 Milliarden Franken zu. Der Handelsbilanzüberschuss weitete sich auf 14,0 Milliarden Franken aus.
Die SNB veröffentlichte zudem die Zusammenfassung ihrer geldpolitischen Diskussion vom September. Der Leitzins blieb damals bei 0 Prozent. Die Notenbank sieht die Schweizer Konjunktur weiterhin robust: Industrie und Dienstleistungen meldeten im dritten Quartal steigende Umsätze, die Bauwirtschaft gut gefüllte Auftragsbücher. Zugleich beobachtet sie die höheren Energiepreise genau. Die Inflation erreichte im August 0,8 Prozent, Anzeichen für breite Zweitrundeneffekte waren bisher aber kaum erkennbar.
Auch die Firmenzahlen fielen überwiegend solide aus. Nestlé beschleunigte das organische Wachstum im dritten Quartal auf 4,0 Prozent. Roche bestätigte nach einem ordentlichen Quartal den Ausblick. Das stärkste Ausrufezeichen setzte Holcim: Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 15,5 Prozent auf 4,66 Milliarden Franken, der wiederkehrende EBIT um 16,8 Prozent. Der Konzern erhöhte sein Jahresziel für das organische EBIT-Wachstum auf 10 bis 12 Prozent.
Ausblick: Fed, EZB und Schweizer Zahlenflut
Die kommende Woche hat das Potenzial für grössere Ausschläge. Am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Fed über den Leitzins. Der Markt rechnet mehrheitlich mit einer Pause, wird aber jedes Wort zur Inflationsentwicklung und zu einer möglichen Zinserhöhung im Dezember abwägen. Am Donnerstag folgt die Europäische Zentralbank, am Freitag die Bank of Japan. Zusätzlich erscheinen am Donnerstag das US-BIP für das dritte Quartal und der PCE-Preisindex, das bevorzugte Inflationsmass der Fed. Am Freitag folgen erste BIP-Zahlen aus der Eurozone und Deutschland.
In der Schweiz geht die Berichtssaison weiter. Am Dienstag publizieren Novartis, Inficon, SIG, Temenos und Logitech; das Bundesamt für Statistik legt den Wohnimmobilienpreisindex vor. Am Mittwoch folgen UBS, Sandoz, Straumann, Dormakaba und Amrize. Am Freitag stehen das SNB-Quartalsergebnis und das KOF-Konjunkturbarometer für Oktober an.
Nach dem starken Oktober-Anstieg sind gute Nachrichten teilweise bereits eingepreist. Entscheidend wird deshalb nicht nur sein, ob Unternehmen die Erwartungen erfüllen, sondern ob ihre Ausblicke die hohen Bewertungen rechtfertigen. Fed und EZB liefern dazu den globalen Rahmen – und der Ölpreis bleibt das grösste Störsignal.
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