Wochenrückblick KW 44: SMI steigt 2,4 Prozent auf Rekordkurs
Defensive Schwergewichte und starke Quartalszahlen trieben den Schweizer Aktienmarkt auf neue Höchststände. In der kommenden Woche rücken Schweizer Inflationsdaten, die US-Zwischenwahlen und der US-Arbeitsmarkt in den Fokus.
Woche im Überblick
Der Schweizer Aktienmarkt hat seine Rekordjagd in der Kalenderwoche 44 fortgesetzt. Der Swiss Market Index (SMI) schloss am Freitag bei 14’810,66 Punkten und gewann gegenüber dem Vorwochenschluss 2,4 Prozent. Es war bereits die vierte positive Handelswoche in Folge. Am Donnerstag hatte der Leitindex bei 14’861,53 Punkten ein neues Allzeithoch markiert; über den gesamten Oktober resultierte ein Plus von mehr als 7 Prozent.
Auch der breitere Swiss Performance Index (SPI) erreichte neue Bestmarken. Er beendete die Woche bei 20’847,01 Punkten, was einem Wochengewinn von 2,25 Prozent entspricht. Auffällig war die Zweiteilung des Marktes: Während die defensiven Schwergewichte und mehrere Industrieaktien zulegten, gerieten am Freitag technologieaffine Titel nach enttäuschenden Zahlen grosser US-Konzerne unter Druck.
Die internationalen Notenbanken sorgten unterdessen nicht für eine Überraschung. Die US-Notenbank liess den Leitzins nach der Erhöhung im September in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Auch die Europäische Zentralbank hielt still; ihr Einlagensatz blieb bei 2,50 Prozent. Steigende Energiepreise halten die Inflationsrisiken jedoch hoch und dürften die Zinsdebatte bis Dezember prägen.
Top-Mover der Woche
An der Spitze des SPI stand Landis+Gyr mit einem Wochenplus von 13,95 Prozent. Allein am Freitag sprangen die Aktien um rund 10 Prozent. Der Hersteller von Energiemanagement-Lösungen meldete zwar einen tieferen Halbjahresumsatz, überzeugte aber mit einer höheren Marge und hob den Ausblick für das Gesamtjahr an.
Ebenfalls stark schnitten R&S Group mit plus 9,89 Prozent und Santhera Pharmaceuticals mit plus 9,83 Prozent ab. Bei R&S setzte sich der positive Lauf des Transformatorspezialisten fort, während bei Santhera die hohe Schwankungsanfälligkeit des Biotech-Titels erneut sichtbar wurde.
Auf der Verliererseite lagen Highlight Event and Entertainment mit minus 6,85 Prozent, Matador Secondary Private Equity mit minus 6,56 Prozent und Ems-Chemie mit minus 4,51 Prozent. Gerade bei den kleineren Titeln ist wegen teilweise dünner Handelsvolumen Vorsicht bei der Interpretation geboten. Bei Ems-Chemie fiel der Rückgang dagegen stärker ins Gewicht: Nach der jüngsten Rally nahmen Anleger Gewinne mit.
Wichtigste News der Woche
Novartis hebt den Ausblick an
Novartis lieferte einen der wichtigsten Unternehmensimpulse. Der Pharmakonzern steigerte den Umsatz im dritten Quartal währungsbereinigt um 4 Prozent, der bereinigte Betriebsgewinn legte um 10 Prozent zu. Die bereinigte Marge erreichte 41,6 Prozent. Besonders Medikamente wie Kisqali, Kesimpta und Leqvio wuchsen kräftig. Novartis hob daraufhin die Prognose für den bereinigten Betriebsgewinn 2026 an. Die Aktie gewann über die Woche 4,78 Prozent und war damit eine zentrale Stütze des Gesamtmarktes.
UBS verdient 2,7 Milliarden Dollar
Die UBS erzielte im dritten Quartal einen den Aktionären zurechenbaren Gewinn von 2,69 Milliarden Dollar. Die Grossbank erfüllte damit die hohen Erwartungen und verwies auf starke Erträge im Investment Banking sowie Zuflüsse in der globalen Vermögensverwaltung. Die harte Kernkapitalquote lag bei 14,7 Prozent. Anleger beschäftigte daneben weiterhin die politische Diskussion über strengere Schweizer Kapitalvorgaben. Trotz eines schwächeren Freitags blieb für die UBS-Aktie auf Wochensicht ein Plus von mehr als 2 Prozent.
Konjunkturaussichten bleiben robust
Das KOF-Konjunkturbarometer sank im Oktober von 109,1 auf 107,6 Punkte und blieb leicht unter den Markterwartungen. Der Rückgang war breit abgestützt; insbesondere private Nachfrage sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verloren etwas an Schwung. Dennoch liegt der Frühindikator klar über seinem langfristigen Durchschnitt. Das spricht weiterhin für eine robuste Schweizer Konjunktur, auch wenn der starke Franken und hohe Energiekosten für exportorientierte Unternehmen Risiken bleiben.
Ausblick nächste Woche
Die neue Woche beginnt in der Schweiz am Montag mit den Detailhandelsumsätzen für September und dem procure.ch-Einkaufsmanagerindex für Oktober. Am Dienstag folgt die wichtigste heimische Zahl: die Oktober-Inflation. Der Konsens rechnet nach 1,0 Prozent im September mit einer höheren Jahresteuerung. Am Donnerstag wird die Arbeitslosenquote veröffentlicht, am Freitag folgen das Konsumentenvertrauen und die Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank.
International dürfte der Dienstag den Ton angeben: In den USA finden die Zwischenwahlen statt. Das Ergebnis entscheidet über die Mehrheiten im Kongress und damit über den politischen Spielraum der Regierung. Am Donnerstag tagt die Bank of England; angesichts einer Inflation von 3,5 Prozent rechnen die Märkte mit einer möglichen Zinserhöhung. Den Schlusspunkt setzt am Freitag der offizielle US-Arbeitsmarktbericht für Oktober. Er dürfte entscheidend dafür sein, ob die Federal Reserve im Dezember erneut an der Zinsschraube dreht.
Für Schweizer Anleger bleibt damit die Mischung aus Unternehmenszahlen, Inflation und Zinsen bestimmend. Nach vier Gewinnwochen und neuen Rekorden ist die Ausgangslage konstruktiv – das erhöhte Bewertungsniveau macht den Markt aber anfälliger für Enttäuschungen.